Alles nur geklaut?

Facebook verklagt StudiVZ

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Das US-amerikanische Social Network Facebook hat sein von Holtzbrinck übernommenes deutsches Pendant StudiVZ verklagt. Der Vorwurf: StudiVZ soll praktisch alles bei Facebook abgekupfert haben.

Vor den Kadi zerrt Facebook StudiVZ wegen Diebstahl geistigen Eigentums - allerdings fragt sich die Branche laut Branchendienst "turi2.de", warum erst jetzt. Die Tatsache, dass StudiVZ ein dreistes Plagiat der US-Studentencommunity sei, habe offen zutagegelegen, als Ende 2006 Gründer Ehssan Dariani nacheinander Mathias Döpfner, Hartmut Ostrowski und Stefan von Holtzbrinck vorsprechen ließ, um am Ende dem Juristen Holtzbrinck für rund 85 Millionen Euro den Zuschlag zu geben (und Holtzbrinck habe jetzt das Problem, die ungeheuren Klickzahlen in Werbegeld umzusetzen). Holger Schmidt von der "FAZ" vermutet, Facebook habe StudiVZ zu lange unterschätzt und wolle jetzt den Preis für eine angestrebte Übernahme drücken. Der Holtzbrinck-Manager Konstantin Urban ließ bereits dementierten und verlauten, man werde StudiVZ auf keinen Fall verkaufen.

Die Ähnlichkeiten zwischen StudiVZ und Facebook sind noch immer allzu offensichtlich.
Die Ähnlichkeiten zwischen StudiVZ und Facebook sind noch immer allzu offensichtlich.

"StudiVZ hat nicht nur Facebooks Features gestohlen, sondern auch das Look and Feel, das Design, große Teile der Website-Funktionalitäten und andere Eigentumsrechte wie Style Sheets", heißt es laut "turi2" in der 116-seitigen Anklageschrift, die Facebook dem US-Bezirksgericht im kalifornischen San Jose vorgelegt hat. Die Ähnlichkeiten zwischen beiden Angeboten seien von Anfang an offensichtlich gewesen. Facebook führt dem Bericht zufolge ein Interview mit StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani an, der zugibt, sich bei der Konstruktion von StudiVZ am Facebook-Layout orientiert zu haben. Rafit Ali von "PaidContent.org" schätzt, dass die Klage von Facebook gegen StudiVZ nicht die letzte ihrer Art gewesen sein dürfte: Mindestens acht weitere Netzwerke weltweit wiesen ähnliche Ähnlichkeiten mit Facebook auf, darunter das chinesische Portal "Xiaonei".

StudiVZ hat bereits eine erste Stellungnahme zu der Klage von Facebook abgegeben. "Offensichtlich hielt Facebook es für angebracht, einzelne Medien intensiv über den Inhalt der Klage zu informieren. Diese ist StudiVZ bislang nicht zugestellt worden. StudiVZ kann und wird den Inhalt der Klageschrift daher nicht kommentieren", heißt es darin. Die in den Medienberichten erhobenen Vorwürfe seien haltlos.

Im Vorfeld von amerikanischen Anwälten von Facebook erhobene Vorwürfe haben studiVZ demnach veranlasst, bereits am Freitag Feststellungsklage beim Landgericht Stuttgart einzureichen. Diese habe das Ziel, von den zuständigen deutschen Gerichten feststellen zu lassen, dass die von Facebook erhobenen Vorwürfe nicht zutreffend seien.

Der StudiVZ-Ltd.-Chef Markus Riecke wird bezüglich des Vorganges wie folgt zitiert: "Nachdem es Facebook trotz aufwändiger Bemühungen bisher nicht gelungen ist, in Deutschland Fuß zu fassen, versucht man jetzt offenkundig, den Erfolg von StudiVZ gerichtlich zu behindern. Es gibt weltweit zahlreiche soziale Netzwerke. Facebook war nicht das erste und ist beileibe nicht das einzige." Mit dem Versuch, StudiVZ durch einen Prozess ohne Erfolgsaussichten vor einem amerikanischen Gericht zu schädigen, erhebe Facebook im Prinzip den Anspruch auf ein weltweites Monopol bei sozialen Netzwerken. "Dies ist vermessen und wird sich schnell entlarven", sagt Riecke. "Wir sehen der Sache gelassen entgegen."