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Plus neue Suche

Facebook kauft Sharing-Dienst Friendfeed

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Facebook rüstet sich mit einem Zukauf für den Wettbewerb mit dem populären Kurznachrichten-Dienst Twitter. Außerdem hat das Social Network seine Suche aufgebohrt.

Facebook übernimmt den deutlich kleineren Twitter-Rivalen Friendfeed, wie die Unternehmen am Montag bekanntgaben. Der Wert des Deals liegt nach Informationen des "Wall Street Journal" bei knapp 50 Millionen Dollar. In bar zahle Facebook allerdings nur 15 Millionen Dollar, hieß es am Dienstag unter Berufung auf informierte Personen. Den Rest gibt es in Facebook-Aktien, die zu dem Preis, den russische Investoren des Online-Netzwerks zuletzt bezahlten, rund 32,5 Millionen Dollar wert seien. Offiziell wurde kein Kaufpreis genannt. Facebook ist nicht an der Börse notiert, daher sind alle Bewertungen nur theoretisch.

Friendfeed sammelt unterschiedlichste Web-Aktivitäten zentral.
Friendfeed sammelt unterschiedlichste Web-Aktivitäten zentral.

Friendfeed war 2007 von vier Google-Mitarbeitern gegründet worden. Die Idee ist, dass Nutzer ihre Online-Aktivitäten zentral aggregieren und gleichzeitig miteinander kommunizieren können. Facebook hat in den vergangenen Monaten ähnliche Funktionen aufgebaut - technisch ist Friendfeed jedoch teilweise weiter. Insofern ist es für Facebook ein großer Gewinn, dass alle zwölf Friendfeed-Mitarbeiter künftig dem Entwicklerteam des Online-Netzwerks angehören sollen.

Das Konzept von Friendfeed geht bei den Kommunikationsmöglichkeiten auch weiter als Twitter, bei dem Nutzer miteinander mit 140-Zeichen-Nachrichten kommunizieren können. Unter anderem das komplexere Erscheinungsbild von Friendfeed dürfte jedoch viele Menschen bis auf einen harten Kern von Internet-Enthusiasten abgeschreckt haben: Der Dienst kam zuletzt laut Schätzungen auf knapp eine Million Nutzer, während es bei Twitter inzwischen rund 45 Millionen sein sollen.

Facebook ist ungleich größer mit mehr als 250 Millionen Mitgliedern. Bei dem Online-Netzwerk können Nutzer ihre Profile anlegen und miteinander kommunizieren. Facebook hatte auch versucht, Twitter zu kaufen. Doch die Gründer des Kommunikationsdienstes lehnten das Angebot ab, obwohl sie einen erklecklichen Facebook-Anteil bekommen sollten.

Branchenbeobachter sehen in der Übernahme einen strategisch wichtigen Schritt, der das soziale Netzwerk gegen wachsende Konkurrenz von verschiedenen Seiten rüstet. Neben dem Micro-Blogging-
Dienst Twitter könnte vor allem der Suchmaschinen-Primus Google durch diesen Schritt unter Druck geraten. "Facebook weiß, dass das echte Geld in der Echtzeit-Suche liegt", sagte der bekannte Bloger Robert Scoble dem Online-Dienst von "BBC News". Während Google der König der normalen Suche ist, sei Friendfeed König der Echtzeit-Suche.

Neue Facebook-Suche

Die neue Facebook-Suche bietet mehr Ergebnisse und neue Filter.
Die neue Facebook-Suche bietet mehr Ergebnisse und neue Filter.

Facebook kündigte in seinem Firmen-Blog außerdem eine verbesserte Suche an, die nach einem Test mit einer kleinen geschlossenen Benutzergruppe nun für alle Mitglieder ausgerollt wird. Mit der neuen Suche kann man nun den eigenen News Feed über die letzten 30 Tage nach Status-Updates, Fotos und Links durchsuchen, die eigene Freunde und Facebook Seiten freigegeben haben, die man als "Fan" verfolgt. Ebenfalls erfasst werden Status-Updates, Links und Notizen von Facebook-Nutzern, die ihre Inhalte für jedermann veröffentlichen. Wie gehabt werden außerdem Nutzerprofile, relevante Seiten und Applikationen als Ergebnisse präsentiert.

Den gewünschten Suchbegriff kann man auf jeder Facebook-Seite oben rechts eingeben. Auf der Ergebnisseite finden sich dann links Möglichkeiten, die Resultate zu filtern, um etwa nur Beiträge eigener Freunde zu sehen. Wer eine bestimmte Person, Seite, Gruppe oder Anwendung sucht, kann auch danach filtern. Insgesamt erhalten Nutzer nun deutlich mehr Möglichkeiten, indem Facebook mehr Arten von Inhalten durchforstet. Nutzer sollten nun allerdings auch noch stärker als zuvor schon genau darauf achten, welche Inhalte sie für wen zugänglich machen. Die entsprechenden Einstellungen finden sich unter http://www.facebook.com/privacy/.