Collaboration

Exchange und Lotus Notes werden Anwendern zu teuer

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Unternehmen fragen sich, warum sie noch Geld und Ressourcen in eigene E-Mail-Systeme stecken sollen, wenn es im Web billige Alternativen gibt.

"Unternehmen haben die Nase voll. Die Kosten für Lizenzen und Ressourcen schießen in die Höhe. IT-Leiter suchen nach billigeren und einfacher verwaltbaren E-Mail-Lösungen", fasst Karen Hobert, Analystin der Burton Group, in ihrem Blog die Stimmung vieler Anwender zusammen. Und dieser Verdruss kombiniert mit dem Sparzwang in vielen Organisationen, ist Wasser auf die Mühlen von Google und dessen E-Mail-Dienst Google Mail. "Die Aussicht, durch den Web-Dienst viel Geld sparen zu können, überwiegt das vielleicht ungute Gefühl seine E-Mails nicht mehr selbst zu verwalten."

Anbieter kommerzieller E-Mail-Software seien mitschuld an der Verstimmung. Beispielsweise würden Anwender oft über die komplizierte Lizenzpolitik und komplexe Server-Verwaltung von "Microsoft Exchange" klagen. Selbst eine extern betriebene Exchange-Lösung sei im Vergleich zu anderen E-Mail-Angeboten im Hosting-Verfahren immer noch teurer, kritisiert Hobert. Zahlten Unternehmen durchschnittlich 15 Dollar pro Nutzer und Monat für einen externen Exchange-Arbeitsplatz, verlange beispielsweise der E-Mail-Anbieter Zimbra nur rund fünf Dollar pro Monat. "Das sind 120 Dollar im Jahr, die ein Unternehmen pro Nutzer spart."

Zudem werde Google in absehbarer Zeit den Umstieg erleichtern, indem Unternehmen intern weiter ihre Outlook-Clients nutzen können und nur die Server-Infrastruktur aufgeben müssen. Auch gibt es seit November eine neue Schnittstelle, mit der sich Mail-Server auf die E-Mail-Komponente von Google Apps (Premier, Education oder Partner Edition) migrieren lassen. Die Trennung von E-Mail-Server und E-Mail-Client erleichtere es der IT, auf Google und andere umzusteigen, ohne die Endanwender zu verärgern oder schulen zu müssen. Anbieter wie Postpath, Novell und Zimbra bieten bereits entsprechende Outlook-Konnektoren für ihre E-Mail-Server (siehe auch den Beitrag "Freie Exchange-Alternativen im Vergleich")

90 Prozent Einsparungen bei E-Mails

Kunden haben laut Hobert der Burton Group berichtet, dass sie durch den Umstieg auf Google Apps, zu denen Googlemail gehört, ihre bisherigen E-Mail-Kosten im Vergleich zu Exchange und anderen kommerziellen Produkten um 90 Prozent senken konnten. Angesichts eines solchen Einsparpotenzials wird klar, warum Google eine solch durchschlagende Wirkung im Markt hat. Trotzdem sollten Unternehmen alle Aspekte eines Umstiegs in Ruhe bewerten und auch andere Hosting-Angebote vergleichen. Googlemail hat immer noch einen Betastatus. Die IT sollte auch die möglichen Probleme eines Wechsels bedenken, beispielsweise welche Verfügbarkeit des Dienstes man benötigt.

Google Apps
Google Apps
Foto: Google

Ebenso sehen Experten in den Google Apps derzeit in erster Linie eine Konkurrenz zu bisherigen Office-Paketen in kleinen und mittelständischen Firmen. Großunternehmen zeigten aber zunehmend Interesse. Die wesentlich geringeren Kosten von Googlemail seien derzeit einfach ein Argument, an dem man kaum vorbeikomme, so Hobart. Microsoft und andere könnten dem entgegenwirken, indem sie ihre Preise senkten. "Würde es eine gehostete Exchange-Lösung für, sagen wir mal, 40 Dollar pro Nutzer und Jahr geben, würden die Telefone bei Microsoft und seinen Partnern nicht mehr stillstehen."