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Ex-KMPGler wechselte die Fronten zu L&H

13.11.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - In dem unermüdlichen Bemühen, die Unregelmäßigkeiten bei dem Spracherkennungsspezialisten Lernout & Hauspie (L&H) aufzudecken, hat das "Wall Street Journal" ein weiteres delikates Detail enthüllt. Paul Behets, der als ehemaliger Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG von 1991 bis 1999 die Bilanzen von L&H kontrollierte, arbeitet inzwischen für Sail Trust. Diese Organisation, die sich für die Verbreitung von Sprachverarbeitungssoftware einsetzt, wurde von den L&H-Gründern Jo Lernout und Pol Hauspie gegründet und mit finanziellen Mitteln ausgestattet. KPMG hatte die höchst umstrittene L&H-Bilanz von 1998 abgesegnet, als Behets noch für die Wirtschaftsprüfer tätig war. Nun werden Fragen nach einem eventuellen Interessenkonflikt des damaligen KPMG-Partners laut.

Nicht nur Behets wechselte die Fronten, auch seine Ex-Mitarbeiterin bei KPMG, Chantal Mestdagh, muss sich den Vorwurf gefallen lassen. Die Managerin, die laut "Wall Street Journal" zusammen mit Behets die L&H-Akten bearbeitet hatte, heuerte 1998 als Chief Financial Officer bei der Lernout & Hauspie Investment Co. an.

Dem belgischen Softwarehaus steht das Wasser bis zum Hals. Unlängst mussten die Spracherkennungsspezialisten zugeben, dass bei der laufenden Wirtschaftsprüfung "gewisse Fehler und Unregelmäßigkeiten" aufgetreten seien. Vermutlich werden nun die Zahlen für 1998, 1999 sowie das erste Halbjahr 2000 revidiert (Computerwoche online berichtete). Die Firmengründer Lernout und Hauspie sind unterdessen zurückgetreten.