CIO des Jahres

CIO des Jahres 2016 - Großunternehmen - Platz 3

Evonik CIO Uhlich beweist langen Atem

10.11.2016
Von 
Michael Schweizer ist freier Autor in München.
CIO Bettina Uhlich hat die IT des Chemieunternehmens Evonik in drei Schritten umgestaltet. In der CIO-des-Jahres-Kategorie Großunternehmen wurde sie damit Dritte.

Wer CIO des Jahres werden möchte, wird im Be­werberfragebogen eingeladen, sein wichtigstes Projekt aus den letzten beiden Jahren zu nennen. Bettina Uhlich, CIO, Head of Global IT & Processes bei Evonik, führte an dieser Stelle gleich drei Projekte an: "PROVE" (seit 2010), "Trans­formation der IT" (seit 2013) und "IT-Plattformen für Digi­talisierung von Produkten, Prozessen, Produktion, People (D4P)" (seit 2015).

CIO des Jahres 2016: Platz 3 in der Kategorie Großunternehmen geht an Bettina Uhlich, CIO von Evonik Industries.
CIO des Jahres 2016: Platz 3 in der Kategorie Großunternehmen geht an Bettina Uhlich, CIO von Evonik Industries.
Foto: Evonik

Das gibt Sinn, denn die Projekte hängen zusammen und bauen aufeinander auf. Sechs Jahre für alle drei Vorhaben scheinen angesichts der Dimensionen wenig: Evonik be­dient mit seinen chemischen Materialien und Lösungen so unterschiedliche Branchen wie die Nahrungsmittel-, Kon­sumgüter-, Auto-, Bau- und Agrarindustrie in mehr als 100 Ländern. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 33.000 Mitarbeiter, neun von zehn sind IT-Anwender. Die IT dieses Unternehmens gilt es zu transformieren - Uhlich und ihre ungefähr 900 IT-Mitarbeiter beweisen langen Atem.

Überblick und Transparenz

PROVE (Process & Value Excellence) galt dem Aufbau ei­nes konzernweiten Prozess-Managements. Die Kernge­schäftsprozesse wurden den Best Practices angepasst, ein konzernweites Stammdatenmodell wurde etabliert. Für solche Projekte ist die IT auf die Fachbereiche ebenso ange­wiesen wie umgekehrt. So waren es letztlich mehr als 4000Projektmitarbeiter, über die Uhlich den Überblick behalten musste. Standardisierung und verordnete Transparenz dürften Diskussionen hervorgerufen haben, trafen sie doch, geschichtlich bedingt, auf eine dezentrale Konzern­kultur: Über Jahrzehnte hinweg hatte es viele Fusionen, Übernahmen und Umfirmierungen gegeben, bevor die Evonik AG im Jahr 2007 als "weißer", für Spezialchemie zuständiger Bereich von der RAG abgetrennt wurde.

Neue Aufgaben

Die Transformation der IT entsprechend den neuen Pro­zessen beschäftigte etwa 100 IT-Mitarbeiter. Die Bestands-IT wurde umfassend überprüft, dann wurden rund 80 Maßnahmen eingeleitet, um die IT langfristig auf den globalen Wettbewerb auszurichten. Serviceprozesse wur­den in einer konzernweiten IT-Service-Management-Platt­form standardisiert, die IT-Governance wurde verschlankt, die Architektur konsolidiert.

Uhlich und ihr Team führten Hybrid Cloud, Virtualisie­rung, Office 365 und Agile Network Solutions als Leittech­niken ein. Viele IT-Mitarbeiter mussten Kenntnisse für neue Aufgaben aufbauen. Auch Anwender auf der Busi­ness-Seite hatten sich an veränderte Abläufe zu gewöhnen.

Professor Thomas Hess, LMU München, lobt "die weitreichenden Veränderungen im ganzen Konzern, welche die IT erreicht hat und auch weiterhin zu erreichen beabsichtigt."
Professor Thomas Hess, LMU München, lobt "die weitreichenden Veränderungen im ganzen Konzern, welche die IT erreicht hat und auch weiterhin zu erreichen beabsichtigt."

Digitaler Mindset

Mit dem Aufbau von Digitalisierungsplattformen, dem dritten Projekt, befassen sich etwa 50 IT-Mitarbeiter. 25 Leuchtturmprojekte sind abgeschlossen. Wie anderswo geht es bei Evonik um die Digitalisierung des ganzen Un­ternehmens, ohne die es nicht überleben könnte. Auf allen Ebenen hofft Uhlich auf "digitalen Mindset". CIO-des-Jahres-Juror Professor Thomas Hess, Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien an der LMU München, lobt "die weitrei­chenden Veränderungen im ganzen Konzern, welche die IT erreicht hat und auch weiterhin zu erreichen beabsichtigt". Die transformierte Evonik-IT ermögliche viele neue digita­le Geschäftsprozesse. Da IT nicht zu den klassischen Kern­kompetenzen der Chemie-Industrie zählt, sei das "bemer­kenswert".

Intern wurden alle drei Projekte Uhlichs als strategische Konzernprojekte eingestuft, die die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sichern sollen.