"Work Chat"

Evernote drängt stärker ins Enterprise

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Evernote will mit einem neuen Chat-Feature verstärkt Nutzer in Unternehmen ansprechen.

Beim neuen "Work Chat" von Evernote können die User editierbare Notizen teilen, während sie gemeinsam an Projekten arbeiten; außerdem lassen sich bearbeitete Dokumente einfach auf das Chat-Fenster ziehen. Dadurch soll der Online-Dienst stärker als Workflow-Tool und weniger als persönlicher Clipping-Dienst aufgestellt werden. Der Nutzer soll mit nur einer Anwendung Arbeit tun, teilen und sich darüber austauschen können.

Evernote Work Chat soll vor allem (zahlende) Nutzer in Firmen ansprechen.
Evernote Work Chat soll vor allem (zahlende) Nutzer in Firmen ansprechen.
Foto: Evernote

Evernote hat zwar jede Menge (nach Firmenangaben mittlerweile mehr als 100 Millionen) Einzelnutzer, aber nur rund 15.000 Firmenkunden. Die Lösung wird im Freemium-Modell vermarktet und über aggressive Partnerschaften mit unter anderem Telekomfirmen und Smartphone-Bauern verbreitet. Evernote konkurriert mit unter anderem Asana, Basecamp und Huddle. Neben Work Chat bringt die Firma noch zwei neue Services für zahlende Kunden - "Context" schlägt abhängig vom jeweiligen Kontext ergänzende Inhalte "aus relevanten Quellen" vor; "Presentation" bringt in Notizbücher eingekippte Inhalte in ein präsentables Format.

Der britische Branchendienst "The Register" mutmaßt, das vor allem Work Chat das Interesse von FBI und NSA an Evernote sprunghaft ansteigen lassen dürfte. Wenn diese Behörden "Jetzt können Sie teilen, chatten und gemeinsam mit anderen arbeiten, ohne je ihren Arbeitsplatz verlassen zu müssen" hörten, verstünden sie gleich "Jetzt können Sie terroristische Verschwörungen anzetteln, ohne dass wir das mitbekommen". Bislang halten sich die Anfragen von Behörden laut Evernote-Transparenzbericht noch sehr in Grenzen, zumindest im Vergleich mit Internet-Riesen wie Google oder Twitter.