Antworten auf wichtige Fragen

Eurokrise - Rechtzeitig die Weichen stellen

Paul Moody ist als Direktor bei REL, einer Tochter der Hackett Gruppe, verantwortlich für die Projektentwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Schwerpunkte sind unter anderem Working Capital und Supply Chain Optimierung.
Immer noch ist fraglich, ob, wie und wann die Euro-Turbulenzen nachhaltig gemeistert sein werden können. Es gibt aber eine Reihe von Maßnahmen, mit denen sich Unternehmen gegen die extremen Währungsschwankungen und die Unsicherheiten der vergangenen Jahre absichern können.

Nach wie vor herrscht große Unsicherheit darüber, wie vor allem Griechenland, aber auch andere südeuropäische Länder ihre wirtschaftliche Instabilität und die erschreckende Arbeitslosigkeit in den Griff bekommen können.

Für dieses düstere Menetekel aber besteht kein zwingender Anlass. Die Unternehmen sollten die unsichere Situation, die in Sachen Euro herrscht, nutzen, um sich gegen künftige extreme Währungsvolatilitäten zu wappnen und ihr Umsatzwachstum, ihre Erträge und ihre Bilanzen stabil abzusichern.

Unternehmen sollten darauf achten, weitestgehend unabhängig von der Entwicklung des Eurokurses agieren zu können.
Unternehmen sollten darauf achten, weitestgehend unabhängig von der Entwicklung des Eurokurses agieren zu können.
Foto: XK - Fotolia.com

Dazu müssen sich die Führungskräfte drei Fragen stellen.

  1. Haben wir genügend Liquidität, um eine längere wirtschaftliche Talfahrt zu überstehen? Wenn nicht, wie können wir sie schaffen?

  2. Wie können wir unsere Abhängigkeit vom Euro verringern?

  3. Welche Auswirkungen könnte ein massiver Einbruch des europäischen Handelsverkehrs auf unser Unternehmen haben?

Auf alle diese Fragen gibt es Antworten, die auf der aktuellen Finanzmarktsituation basieren:

Geldfluss zur Chefsache machen

In den vergangenen Jahren haben viele Unternehmen - motiviert durch niedrige Zinsen - Liquidität oft durch Kredite geschaffen. Dabei wird allzu oft übersehen, dass diese Maßnahme nur kurzfristig Freiräume schafft, da Kreditlinien in Zeiten der Krise austrocknen oder teuer zu stehen kommen können. Die Freisetzung von Liquidität aus eigener Kraft dagegen ist weitaus sicherer, wie sie nachhaltiges Working Capital Management schafft. Das Verhältnis von Gewinn und Verlust wird positiv ausbalanciert, die Bilanz insgesamt verbessert und bislang gebundenes Kapital dauerhaft für Investitionen oder Schuldenabbau verfügbar.

Die Realität sieht aber oft erschreckend anders aus. Durch aufgeblähte Lagerhaltung, zu lange ausstehende Forderungen und zu schnell bezahlte Verbindlichkeiten, waren in Europa im Jahr 2013 rund 900 Milliarden Euro Umlaufvermögen gebunden, immerhin rund 9,4 Prozent des gesamten europäischen Bruttoinlandsprodukts, wie eine Working Capital-Untersuchung ergeben hat.

Der Ausweg: Working Capital Management muss als Chefsache im Unternehmen verankert werden. Führungskräfte und Mitarbeiter müssen eine stringente Cash Culture als Ziel vor Augen haben.

Forderungen und Verbindlichkeiten müssen harmonisiert und standardisiert werden, überbordende Diskounts und Finanzierungen gilt es abzubauen, ebenso übereilte Zahlungen. Diese Harmonisierung und Standardisierung von Zahlungsein- und -ausgängen muss nachhaltig und fair gestaltet werden, im Interesse des Unternehmens ebenso wie der Zulieferer und Kunden. Zudem gilt es, gemeinsam mit den strategisch wichtigen Zulieferern die Supply Chain so zu optimieren, dass rasch auf Marktveränderungen reagiert werden kann.

Kapitalströme effektiv steuern

Der Devisenkurs des Euro wirkt sich immer auf die Weltwirtschaft aus, auch für die USA und China als Haupt-Handelspartner der Eurozone. Eine weitere Eurokrise wird die nationalen Wirtschaften und die dort aktiven Unternehmen hart treffen, natürlich aber auch die Eurozone und die europäischen Unternehmen selbst.

Um Risiken so weit wie möglich auszuschließen, müssen die Unternehmen den Kapitalfluss analog zum Wechselkurs und der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung der Eurozone steuern. Genauso wichtig ist es, die steuerlichen Konsequenzen von Währungsgewinnen und -verlusten zu kennen, da sie bei der Rückführung von im Ausland erzielten Erträgen das Umlaufvermögen positiv oder negativ beeinflussen können.

Auch die Forderungen und Verbindlichkeiten müssen unter dem Aspekt der Währungsunterschiede einander angepasst werden. Im Klartext: Umsätze und Zahlungen müssen möglichst gleichgewichtig ausbalanciert in Ländern mit schwacher und starker Wirtschaftsleistung generiert und geleistet werden, um eine negative Bilanz auszuschließen.

Risiken und Vorteile

Wirtschaftswissenschaftler waren und sind sich darin einig, dass die Europäische Union ein Segen für die internationale Wirtschaft war und dass die Schaffung des einheitlichen Euro diesen Segen weiter optimiert hat. Unabhängig davon ist es wichtig, die möglichen Gefahren und Risiken für die Gemeinschaftswährung, die durch die wirtschaftlich schwachen und gefährdeten europäischen Länder, allen voran Griechenland, ausgelöst werden, nüchtern einzuschätzen und proaktiv abzuwenden.

Dazu ist es nötig, die Supply Chain auf Währungsrisiken hin zu prüfen. Vor allem mit Konsignationslieferanten ist zu überlegen, wo Waren beschafft und gelagert werden sollten, um Währungsunterschiede auszunutzen. Zudem muss untersucht werden, wie im Fall einer weiteren ungünstigen Euroentwicklung grenzüberschreitende Arrangements zu Lieferanten und Abnehmer auf günstigere Währungen umgestellt werden können.

Neben solchen Krisenplänen sind Kursabsicherungen durch stabile Beziehungen zu sicheren Banken von enormer Bedeutung, um extreme Schwankungen des Euro auszugleichen oder um Entwicklungen wie Streiks oder tiefgreifende Demonstrationen abzufedern.

Und last, but not least ist es von hoher Bedeutung, dass die Unternehmen vorbereitet sind, ihr Rechnungswesen und ihre ERP an veränderte Rahmenbedingungen und gesetzliche Gegebenheiten schnell umzustellen und anzugleichen. Nur so ist gewährleistet, dass auch in Krisenzeiten der Geschäftsverlauf nicht existenzbedrohend gefährdet wird.

Wirtschaftskrisen treffen plötzlich und überraschend ein, selbst wenn die zugrunde liegenden Schwachstellen durchaus bekannt sind. Und unglücklicherweise ist es für geeignete Maßnahmen meist schon zu spät. Die Weichen müssen so gestellt werden, dass die Unternehmen auch durch Krisen sicher gesteuert werden können. (bw)