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Euro 2008: Nullsummenspiel für Reisebranche

19.02.2008
Von pte pte
Die Fussball-Europameisterschaft Euro 2008 wird kaum Auswirkungen auf das Reiseverhalten haben. Zu diesem Schluss kommen Tourismusexperten des Instituts für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT) http://www.freizeitforschung.at bei der neuen Präsentation der aktuellen 13. Österreichischen Tourismusanalyse für Österreich und Deutschland.

"Groß war im Jahr 2006 die Verunsicherung der Reisebranche, als es um die Einschätzung der Auswirkungen der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland ging", so Peter Zellmann vom IFT gegenüber pressetext. Der Experte geht davon aus, dass die Veranstalter im In- und Ausland in diesem Jahr alles tun werden, um Fußball-Fans auch auf Reisen nicht zu enttäuschen. "Österreich Hotels und Gastronomiebetriebe werden Großbildleinwände präsentieren, spezielle Aktionen während der Spiele planen oder gar kostenlose Drinks und Freibier bei jedem Tor für die jeweiligen Anhänger ausgeben." Nach seiner Prognose werde es aufgrund der Euro 2008 aber dennoch zu keinen dramatischen Veränderungen kommen. "Wie im übrigen Wirtschaftsbereich wird sich auch im Tourismus letztlich eine Art Null-Summen-Spiel ergeben", so Zellmann. Was der Branche während der EM an Auslandsreisen verloren geht, wird nach Beendigung des Turniers wieder ausgeglichen." Der Inlandstourismus werde insgesamt sicher profitieren, es dürfe jedoch auch nicht außer Acht gelassen werden, dass typische "Vorsaisongäste", insbesondere im Städtetourismus, den Wirbel um die EM bewusst meiden werden.

Ungeachtet der geringen Auswirkungen auf das tatsächliche Reiseverhalten, werde es allerdings sehr wohl regionale Unterschiede geben, zeigt sich Zellmann überzeugt. Deutlich zugelegt habe Österreich allerdings bei den Deutschen. Österreich ist in der Beliebtheitsskala an dritter Stelle hinter Spanien und Italien. "Dass Österreich als geplantes Urlaubsziel der Deutschen deutlich zulegt, könnte allerdings ein klein wenig auch mit der EURO 2008 zusammenhängen", so Zellmann. Ein weiterer Grund dafür sei allerdings auch das gute Preis-Leistungsverhältnis in der Alpenrepublik. Den Grund, warum Flugreiseziele in der Beliebtheitsstatistik abgenommen haben, führt der Experte auf die Problematik der langwierigen Sicherheitskontrollen zurück. "Die Autoreise mit flexibler Planung ist deutlich im Kommen." Zudem hätten inländische Hoteliers auf die flexible An- und Abreisepraxis der Kunden reagiert.

Gewonnen haben neben den ohnehin bekannten Urlaubsregionen der Alpenrepublik auch bisher seltener besuchte Regionen wie etwa Oberkärnten, die Steiermark und Oberösterreich. "Vor Ort wurden hier die Angebote verbessert", so Zellmann. Trotz der großen Reiselust der Österreicher bleiben 40 Prozent der Alpenbürger im Urlaub zu Hause, 30 Prozent verbringen den Urlaub im eigenen Land. Handlungsbedarf sieht Zellmann vor allem im Bereich des Urlaubsangebots für die Daheimgebliebenen. "Sport- und Kulturveranstaltungen machen die Ferien zu Hause oder im eigenen Land auch sehr reizvoll. Das ist ein wirtschaftlich stark unterschätztes Potenzial", meint der Experte.

So viel Reiselust wie 2008 gab es allerdings bisher noch nie. Das gelte für Österreicher ebenso wie für die Deutschen. 45 Prozent der befragten Österreicher gaben an in diesem Jahr verreisen zu wollen, 32 Prozent waren noch unschlüssig, 22 Prozent werden in diesem Jahr sicher nicht auf Urlaub fahren. Zellmann betont, dass solche Analysen nicht 100 Prozent verlässlich sind. "Zwischen Reiseabsicht und tatsächlichem Reiseverhalten ist kein direkter Zusammenhang abzuleiten. Auf freudige Planung folgte 2001 Reisezurückhaltung, auf Skepsis 2006 ein Rekordjahr", so Zellmann abschließend gegenüber pressetext. (pte)