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EU will die TK-Landschaft umkrempeln

26.04.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Europäische Kommission will heute mehrere Maßnahmen zur Liberalisierung des TK-Marktes vorschlagen. Gut informierten Kreisen zufolge sollen die Mitgliedstaaten dazu aufgefordert werden, den ehemaligen Monopolisten die Kontrolle über die sogenannte "letzte Meile" des Telefonnetzes bis Ende des Jahres wegzunehmen. Damit ist das Verbindungsstück gemeint, mit dem die Haushalte und Unternehmen an die Ortsvermittlungen und damit letztlich auch an das Internet angebunden sind. Das lokale Netzwerk soll nach dem Willen der EU für kleinere Netzanbieter geöffnet werden. Auch wenn es sich hier nur um eine Empfehlung der EU handelt, wird von den Mitgliedern erwartet, die Öffnung der letzten Meile in ihren Ländern verbindlich zu machen. Deutschland, Finnland, die Niederlande, Österreich, Dänemark und Italien haben das Monopol bereits beendet, Großbritannien hat seinen ehemaligen Staats-Carriern den 1. Juli als Deadline gesetzt.

Die EU will heute ferner einen neuen legalen Rahmen für den TK-Sektor vorlegen. Dabei sollen die 25 existierenden EU-Direktiven durch fünf Gesetze ersetzt werden. Die Gesetzesvorschläge sollen im Juni erscheinen. Neben einer Vereinfachung der Richtlinien geht es vor allem um neue Kriterien zur Regulierung von Carriern. Bislang musste jeder TK-Konzern, der mindestens 25 Prozent Marktanteile besaß, damit rechnen, von den Regulierern zur Öffnung seiner Netze verdonnert zu werden. Diese Grenze soll aufgehoben und durch neue Kriterien ersetzt werden.