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EU-Verfahren: Schwere Geschütze gegen Microsoft

06.04.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Unter dem Dach des European Committee for Interoperable Standards (ECIS) haben sich angeblich die Branchenschwergewichte IBM, Oracle, Red Hat, Real Networks und Nokia zusammengefunden, um sich im Berufungsverfahren von Microsoft gegen die Kartellentscheidung der Europäischen Kommission gegen den Redmonder Konzern auf die Seite der Brüsseler Exekutive zu schlagen. Das berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider.

Die fünf Microsoft-Kontrahenten (die übrigens zu der Bewerbung allesamt nicht Stellung nehmen wollten) wollen demnach den Wettbewerb im Markt für Betriebssysteme sicherstellen. Im Desktop-Bereich beherrscht Microsoft diesen de facto monopolartig. Das Verfahren der EU will dafür sorgen, dass Microsoft diese Vormachtstellung nicht auch auf andere Gebiete ausdehnt, beispielsweise Betriebssysteme für Server, Handheld-Geräte oder Mobiltelefone.

Der Schritt ist bedeutsam, weil diese Hersteller sich bislang aus offiziellen Kampagnen gegen Microsoft weitgehend herausgehalten hatten, dessen Anteil am PC-Betriebssystemmarkt ihm enormen Einfluss auf Computerbauer und rivalisierende Softwarefirmen verschafft. Im vergangenen Jahr machte Microsoft insgesamt mehr als 2,5 Milliarden Dollar locker, um sich mit Sun Microsystems, Novell und dem Branchenverband Computer Communications and Industry Association (CCIA) zu vergleichen, die daraufhin jeweils ihre Beschwerden in Brüssel zurückzogen.

Es haben sich aber auch schon Organisationen und Firmen gemeldet, die Microsoft im Berufungsverfahren unterstützen wollen. Dazu gehören die Asscociation for Competitive Technology (Washington, D.C.), die teilweise von Microsoft finanziert wird, sowie die in Outbrook Terrace (Illinois) ansässige Computing Technology Industry Association. Ferner wollen drei kleinere europäische Softwareschmieden, darunter die niederländische DMDsecure.com BV, für Microsoft aussagen. (tc)