EU setzt verstärkt auf E-Learning

ist freier Journalist in München
Trotz der großen Erwartungen, die seit Jahren in moderne Lernmethoden wie das Web-Based-Training investiert werden, verstauben Computer in den Schulen, und Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter weiterhin auf externe Seminare. Grund genug für die Europäische Union, das Thema E-Learning zu fokussieren.

Den Vorwurf, die Mühlen der europäischen Bürokratie würden zu langsam mahlen, will sich Brüssel nicht mehr gefallen lassen. Insbesondere in der Bildung, ohne deren Effizienz nach Meinung der Experten Europa im Wettstreit der Regionen langfristig den Kürzeren ziehen würde, sollen nun endlich neue Zeiten anbrechen. Viviane Reding, EU-Kommissarin für Bildung und Kultur, gibt schon mal die Richtung vor: "Bisher bewegt sich die Bildung wie ein riesiger Tanker. Mit neuen Schnellbooten wie E-Learning wollen wir aber an Tempo zulegen."

Unter dem zunehmenden Einfluss von IT, Telekommunikation und Internet haben sich die Grundlagen in Bildung und Wirtschaft bereits erheblich verschoben. Festgezurrt an der digitalen Nabelschnur müssen Unternehmen immer mehr in die Köpfe ihrer Mitarbeiter investieren, um sich im Wettbewerb vor dem drohenden Rückfall zu schützen. Zunehmend kürzere Produktzyklen und ein hohes Innovationstempo zwingen die Unternehmen, ihre Belegschaft schnell mit neuen Produkten und Verfahren vertraut zu machen.

Lernen via Internet verspricht dabei mehrere Probleme auf einen Schlag zu lösen: Kosten für die Entsendung zu externen Seminare bei mehrtägiger Abwesenheit entfallen, auf der anderen Seite lassen sich Lerninhalte und berufliche Anforderungen beim E-Learning gezielt und ohne Zeitverlust verbinden.

Doch in der Praxis, beklagten die in Brüssel konferierenden Experten aus Politik, Wirtschaft und Bildung, halten sich Unternehmen nach wie vor zurück, wenn es um Investitionen in die Weiterbildung am Computer geht. Während in Konzernen bereits zahlreiche Projekte angestoßen werden konnten, sieht es im Bereich kleiner und mittlerer Unternehmen ziemlich düster aus. Hier herrscht ebenso große Skepsis wie unter den öffentlichen Bildungsinstitutionen. Reding: "Dass E-Learning viel Potenzial mit sich bringt, wird in Schulen und mittelständischen Unternehmen noch nicht erkannt." Doch das soll sich nach Meinung der Kommission bald ändern.

Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Konzept der Public-Private-Partnership (PPP). Anders als bisher, wollen nun Politik und Industrie zu gunsten des E-Learning zusammenarbeiten. Mike Lawrie, General Manager von IBM in Europa, Afrika und den Mittleren Osten (Emea), sparte in Brüssel nicht mit Kritik: "Bisher dauert alles viel zu lange. Deshalb haben wir selbst die Initiative ergriffen."

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