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EU-Kommissar rät zum Schutz vor Online-Spionage

07.06.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - EU-Kommissar Erkki Liikanen hat europäische Unternehmen vor Spionage und Hacker-Angriffen im Internet gewarnt und ihnen Sicherheitsmaßnahmen empfohlen. In europäischen Firmen sei das Bewusstsein für Industrie-Spionage im weltweiten Datennetz noch unterentwickelt.

Liikanen legte in Brüssel eine Mitteilung an den in der kommenden Woche stattfindenden EU-Gipfel von Göteborg vor, in der er ein Sicherheitsprogramm vorschlägt. Laut Liikanen verwenden vier von fünf Internet-Nutzern in der EU zwar Programme zum Schutz gegen Computerviren, doch nur jeder fünfte verfügt für seine persönlichen oder geschäftlichen Internet-Kontakte auch über eine Verschlüsselungssoftware. Für elektronische Unterschriften seien lediglich zehn Prozent der europäischen Surfer gerüstet.

Wie der EU-Kommissar weiter sagte verwenden Hacker ihr Wissen auch für Spionage oder die Veränderung von Daten. "Passwörter kann man herausfinden", so der EU-Kommissar. Aber auch Störattacken, Viren, äußere Einwirkungen wie Überschwemmungen, Erdbeben oder das schlichte Durchschneiden der Leitung gefährdeten die Funktionsfähigkeit des Netzes.

In seiner Warnung bezog sich Liikanen auf die jüngste Diskussion um das internationale Abhörsystem Echelon. Für den Echelon-Ausschuss des Europäischen Parlaments gilt es als erwiesen, dass die USA ein weltweites Spionagesystem unterhalten, an dem auch die Regierungen Australiens, Neuseelands, Kanadas und Großbritanniens beteiligt sind (Computerwoche online berichtete). Wie der zuständige Ausschuss riet auch Liikanen den europäischen Unternehmen, bei wichtigen Verhandlungen über Internet, Telefon und Telefax Verschlüsselungstechniken einzusetzen.

Außerdem empfahl der EU-Kommissar das Bewusstsein für diese Gefahren zu schärfen. "Das sind Bereiche, wo Unternehmen wissen müssen, wie sie sich schützen können", so Liikanen in Brüssel. Der Schutz der Privatsphäre müsse vom Datenschutz sichergestellt werden. Auch die von Fachleuten immer wieder angezweifelte Wahrung der Anonymität sei wichtig.