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EU beurteilt Microsofts Quellcode-Angebot zurückhaltend

27.01.2006
EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes zeigte sich überascht von Microsofts Angebot, Teile des Windows-Quellcodes offen zu legen.

Die EU-Kartellbehörde prüfe derzeit, ob der Vorschlag den Streit mit dem Softwarekonzern beenden könne, erklärte Kroes in einem Interview. Microsoft hatte am Mittwoch angekündigt, Teile des Windows-Source-Codes gegen eine Lizenzgebühr offen zu legen (siehe: EU: Microsoft gibt Windows-Quellcode in Lizenz). Das Unternehmen reagierte damit auf massive Beschwerden der EU-Kommission, es erfülle die Auflagen aus dem Kartellurteil vom März 2004 nicht.

Die Kritik entzündete sich vor allem an der Dokumentation von Windows-Schnittstellen, die Microsoft veröffentlichen muss. Die Wettbewerbshüter stützen sich auf die Einschätzung eines Sachverständigen, der die Dokumentation als unzureichend bezeichnet hatte. Bereits im Dezember 2005 hatte die Kommission Microsoft ultimativ aufgefordert, die Probleme zu beheben (siehe Update: EU mit Geduld am Ende - Microsoft droht tägliches Millionen-Bußgeld). Zugleich drohte sie mit einem täglichen Bußgeld von zwei Millionen Euro.

Die Einschätzung Microsofts, mit dem neuen Angebot seien die Probleme aus der Welt geschafft, teilt Kroes offenbar nicht: "Normalerweise ist der Source Code nicht die ultimative Dokumentation für irgendetwas." Aus diesem Grund seien Programmierer gehalten, ihren Quellcode umfassend zu dokumentieren. (wh)