Gartner-Marktprognose

Etikettenschwindel mit SaaS

15.02.2012 | von Holger Eriksdotter
Gartner zufolge sollten sich Anwender die SaaS-Modelle genau ansehen. Einfaches Hosting und Application-Management werden nur sprachlich aufgewertet und als Cloud-Services verkauft.
"Die Bedenken im Hinblick auf Sicherheit, Antwortzeiten und Verfügbarkeit sind in den Unternehmen geringer geworden", sagt Gartner-Analystin Sharon Mertz.
"Die Bedenken im Hinblick auf Sicherheit, Antwortzeiten und Verfügbarkeit sind in den Unternehmen geringer geworden", sagt Gartner-Analystin Sharon Mertz.

Nach einer Prognose des IT-Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner haben die die weltweiten Software as a Service (SaaS) Umsätze für Unternehmensanwendungen 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 15,7 Prozent zugelegt und erreichten 9,2 Milliarden US Dollar. Als wesentliche Treiber des Umsatzwachstums im SaaS-Markt nennen die Gartner-Analysten die zunehmende Reife der SaaS-Angebote. Sie hätten dazu geführt, die Bedenken der Anwender in Hinblick auf Antwortzeiten, Verfügbarkeit und Sicherheit zu verringern.

Und der Markt bleibt weiter in Bewegung: „Auf der einen Seite verzeichnen wir eine zunehmende Mitwirkung des Business-Managements bei der Kaufentscheidung; auf der anderen Seite nimmt aber auch die Beteiligung der IT-Abteilung zu, weil große SaaS-Anwendungen zunehmend in die IT-Geschäftsprozesse eingebunden und mit der Inhouse-IT integriert werden“, sagt Sharon Mertz, Research Director bei Gartner.

Der Trend zum vermehrten Einsatz von SaaS-Lösungen hat nach Einschätzung von Gartner mehrere Gründe:

  1. Eine zunehmende Zahl von Unternehmen setzt eine Vielzahl verschiedener SaaS-Lösungen von unterschiedlichen Anwendern ein, die ohne Beteiligung der IT-Abteilung gekauft und implementiert wurden.

  2. Große Unternehmen haben vermehrt SaaS-Implementierungen vorgenommen, die oft in Größenordnungen von einigen Tausend bis zu Zehntausenden von Anwendern genutzt werden.

  3. Die Integration von SaaS-Lösungen und Social Media/Social Software nimmt zu, weil Kommunikationsplattformen wie Facebook oder Twitter vermehrt für die Bereiche Marketing, Verkauf und Service eingesetzt werden.

So ist es auch der sogenannte CCC-Bereich (Content, Communications and Collaboration), der mit rund 2,9 Milliarden Dollar im Jahre 2010 den größten Anteil des Enterprise-SaaS-Markts ausmachte, gefolgt vom CRM-Segment mit 2,6 Milliarden Dollar Umsatz.

Dabei verteilt sich der Gebrauch von SaaS im CCC-Segment ausgesprochen ungleichmäßig: Während etwa ECM (Enterprise Content Management) oder Suchdienste so gut wie überhaupt nicht im SaaS-Modell genutzt werden, sind SaaS-Systeme im Markt für Web-Conferencing absolut vorherrschend.