Ethernet erobert die Produktion

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Industrial Ethernet verspricht mehr Flexibilität als Feldbussysteme. Doch die Migration hat ihre Tücken.

Hier lesen Sie ...

  • welche Vorteile Ethernet im industriellen Umfeld bringt;

  • was bei der Einführung von Industrial Ethernet zu beachten ist;

  • mit welchen Problemen zu rechnen ist;

  • wie WLAN und Ethernet in der Produktion Einzug halten.

Nachdem die IT-Branche mit dem Siegeszug von IP als Netzprotokoll seit längerem die Verschmelzung von IT- und TK-Welt mit VoIP propagiert, scheint nun die nächste Konvergenzwelle zu rollen: die Einführung von IP und Ethernet in der Produktion, neudeutsch als Industrial Ethernet bezeichnet. Netzwerk-Player wie Cisco, Lancom und andere sehen hier einen neuen Markt und treten in Konkurrenz zu klassischen Industrieanbietern wie etwa Hirschmann.

Marktprognose

In der im April veröffentlichten "Industrial Ethernet Market Outlook Study" prognostiziert die US-amerikanische ARC Advisory Group, dass der Markt für Industrial Ethernet in den nächsten fünf Jahren jährlich um 51,4 Prozent (Deutschland 59 Prozent) wächst. Wurden 2004 lediglich 840.000 Industrial-Ethernet-Komponenten (Deutschland 39.000) ausgeliefert, so soll diese Zahl 2009 bei 6,7 Millionen liegen. Im gleichen Zeitraum, so ARC weiter, wachse das Marktvolumen für Industrial-Ethernet-Switches von 124,4 Millionen (Deutschland sechs Millionen) auf 939,8 Millionen Dollar. Ähnlich optimistische Prognosen trifft Frost & Sullivan bezüglich des Einsatzes von Wireless LAN im Produktionsumfeld. Das Institut geht davon aus, dass sich der europäische Markt, der 2002 ein Volumen von 117 Millionen Dollar hatte, bis 2006 vervierfacht.

Treibende Kraft für den Einsatz der klassischen Ethernet-Technologie in der Produktion ist die Idee, eine standardisierte Kommunikation einzuführen, aus der sich eine einheitliche Infrastruktur ergibt, die vom Büro bis zur Maschine beziehungsweise zum Sensor reicht. Damit stehen die Prozess- und Fertigungsdaten künftig nicht nur auf der Feldebene (Maschinenebene) zur Verfügung, sondern gehen nahtlos in bereichsübergreifende Datenerfassungssysteme ein.