Arbeitsleben

Essen gegen Stress

Wirtschaftswoche-Redakteur
Unter Stress verändern viele Menschen ihr Essverhalten. Und das nicht zu ihrem Besten. Worauf Gestresste bei der Nahrungsaufnahme achten sollten.

Stress ist ein Volksleiden. Wie zuletzt der Report der Techniker Krankenkasse zeigte, belastet Stress nicht nur die Psyche, sondern auch den Körper. Eigentlich ist Stress - in Maßen - nicht unbedingt gesundheitsschädigend. Das Adrenalin, das in Stress-Situationen ausgeschüttet wird, macht in entscheidenden Situationen leistungsfähiger. Wird der Stress aber chronisch, drohen nicht nur psychische Störungen wie Burnout, Depressionen oder Angststörungen. Häufig folgen aus Stress auch unmittelbar körperliche Beschwerden wie Magenschmerzen, Rückenprobleme, Tinnitus oder Kopfschmerzen.

Als Mittel gegen Stress gilt vor allem viel Bewegung, unterschätzt wird dagegen von vielen Betroffenen die Bedeutung der Ernährung. "Viele Leute ändern ihr Essverhalten, wenn sie unter Stress stehen. Sie essen unregelmäßig, ungesund, zu viel oder auch zu wenig", sagt Ernährungsmedizinerin Stephanie Grabhorn. "Jedoch ist es gerade bei länger andauernden Stress-Phasen wichtig, sich ausgewogen zu ernähren. Die Zellen arbeiten nämlich auf Hochtouren und benötigen gerade jetzt ausreichend Nährstoffe. Wird der Bedarf an Energie und Mikronährstoffen nicht gedeckt, fühlt man sich schnell müde und erschöpft."

Gerade in Stress-Zeiten ist eine ausgewogene Ernährung besonders wichtig. Reicht es dann nur für Fastfood vorm Rechner, fühlt man sich noch schneller müde und erschöpft.
Gerade in Stress-Zeiten ist eine ausgewogene Ernährung besonders wichtig. Reicht es dann nur für Fastfood vorm Rechner, fühlt man sich noch schneller müde und erschöpft.
Foto: pzAxe - Fotolia.com

Der Grund für das veränderte Essverhalten sind zunächst die äußeren Umstände der Stress-Situation selbst: Wer viel und unter hohem Druck arbeiten muss, nimmt man sich oftmals nicht die Zeit, ausgewogene Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Stattdessen wird nebenbei gesnackt, weil es schneller geht - möglicherweise sogar ohne den Arbeitsplatz zu verlassen. Diese Snacks sind in der Regel fett- und kalorienreich und vitaminarm.

Aber auch innere Motive spielen für die schlechte Ernährung eine Rolle: "Abhängig von der Stimmungslage dient Essen einigen Menschen als Stressbewältigungsmechanismus. Viele belohnen sich durch das Essen oder entspannen während einer Mahlzeit", sagt Grabhorn. Das geht für viele mit einem Schokoriegel besonders gut. "Stress kann teilweise auch mit einem Kontrollverlust beim Essen einhergehen. Personen, die eigentlich auf ihre Ernährung achten - insbesondere Frauen -, greifen unter Stress vermehrt zu ungesunden Lebensmitteln, die sie sonst meiden."

Grabhorn empfiehlt dagegen, gerade in Stressphasen, sich sich Zeit zu nehmen und bewusst zu essen. "Um den Stoffwechsel auf Trab zu halten, sind viel frisches Obst, Gemüse sowie frischer Fisch und hochwertige Pflanzenöle zu empfehlen. Diese liefern wichtige Mikronährstoffe, die der Körper gerade in stressigen Zeiten braucht."

Besonders wichtig sei es für Gestresste, gezielt den Energiestoffwechsel zu unterstützen. "Deshalb sollte man ausreichend Magnesium und Vitamine des B-Komplexes aufnehmen. Diese findet man beispielsweise in Milchprodukten und Fisch."

Bei Stress entstehen vermehrt sogenannte "freie Radikale". Diese aus dem Stoffwechsel der Zellen entstehenden Moleküle sind nach Ansicht vieler Biologen für den Alterungsprozess verantwortlich. Eine generelle Verminderung der Kalorienzufuhr hat in Versuchen die Produktion der "freien Radikale" reduziert. Manche Ernährungswissenschaftler empfehlen, sie auch durch so genannte Antioxidantien zu neutralisieren. Darunter versteht man Mikronährstoffe wie Vitamin C, Vitamin E, Vitamin B2, Zink, Selen, Kupfer und Mangan. Die Wirksamkeit von mit solchen Antioxidantien angereicherten Nahrungszusätzen ist jedoch wissenschaftlich umstritten.

(Quelle: Wirtschaftswoche)