Hacker Kevin Mitnick packt aus

"Es war ein Spiel - und ich wollte der Beste sein"

Jan-Bernd Meyer
Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE - darunter das jährlich erscheinende Magazin Top 100, das einen detaillierten Marktüberblick über alle relevanten B2B-Bereiche der IT gibt. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
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Simon Hülsbömer
Simon verantwortet redaktionell leitend die Themenbereiche IT-Sicherheit, Web und Datenschutz. Außerdem betreut der studierte Media Producer den täglichen Früh-Newsletter und ab und an die iPad-Ausgaben der COMPUTERWOCHE. Aufgaben als Online-News-Aushelfer, in der Traffic- und Keyword-Analyse, dem Content Management sowie die inoffizielle Funktion "redaktioneller Fußballexperte" runden sein Profil ab.
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Er hat das Social Engineering erfunden und war einst der meistgesuchte Hacker der Welt. Das FBI hielt ihn für eine Art MacGyver, der mit dem Pfeifen in ein Telefon den Nuklearkrieg hätte auslösen können. Kevin Mitnicks Leben ist voller Wahnsinn - im CW-Interview erzählt er daraus.

CW: Sie beschreiben in Ihrer Biografie sehr anschaulich, dass es Sie schon immer gereizt hat, in fremde IT- und Telefonsysteme einzudringen - auch wenn es mit großen Risiken verbunden war. Woher kommt diese Faszination für das Verbotene?

Kevin Mitnick
Kevin Mitnick
Foto: riva Verlag

MITNICK: Sie müssen bedenken, dass Hacking noch nicht illegal war, als ich damit während meiner Highschool-Zeit Ende der 70er begonnen habe. Ich war bereits in jungen Jahren von Magie und Zauberei fasziniert und habe dann einen Mitschüler kennengelernt, der nur mithilfe eines Telefons "zaubern" konnte. Er hat mich im "Phreaking" (Manipulation von Telefonverbindungen, Anm. d. Red.) unterwiesen, gegen das damals noch keinerlei Verbote bestanden. Damit fing alles an. Was mich in den folgenden Jahren fasziniert und angetrieben hat, waren Wissensdurst, Abenteuerlust und die intellektuelle Herausforderung, es mit immer neuen Systemen aufzunehmen. Etwas Neues zu lernen, verpasste mir immer auch einen Adrenalinschub.

CW: Hat Ihre Begeisterung für digitale Systeme, für "virtuelle Welten", Sie Ihr ganzes Leben lang begleitet?

MITNICK: Hacking war für mich schon immer eine Art großes Videospiel. Als ich mit 16 Jahren mit dem Phreaking begonnen habe, wollte ich lediglich einige meiner Freunde und deren Eltern mit Telefonscherzen hereinlegen. Ich habe beispielsweise die Telefone so manipuliert, dass sie wie Telefonzellenapparate funktionierten: Nach Abnehmen des Hörers ertönte eine Stimme in der Leitung, die zum Einwurf von 25 Cent aufforderte. Ich war ein junger Witzbold, der Technologie einsetzte, um Freunden und Verwandten Streiche zu spielen.

Danach machte ich es mir zur Aufgabe, Sicherheitssysteme zu umgehen. Ich sah mich als eine Art Zauberer im Stile von Harry Houdini (amerikanischer Entfesselungs- und Zauberkünstler, 1874-1926 - Anm. d. Red.) und wollte es schaffen, in abgesicherte IT-Umgebungen einzudringen. Es ging mir nicht um die Informationen, an die ich gelangen konnte, sondern um den Weg ins abgeschottete System hinein. Ich wollte hier einfach der Beste sein.

Viele Jahre später ging es mir um den Zugang zu Quellcodes von mobilen Betriebssystemen, um das Innenleben von Handys besser verstehen zu können. Der Ehrgeiz, in allem was ich tat, der Beste zu werden, hat mich während meines gesamten Hackerlebens begleitet.

CW: Sahen Sie sich als "Robin Hood der Cyberwelt"?

MITNICK: Nicht wirklich. Robin Hood hat den Reichen etwas weggenommen, um es den Armen zu geben. Ich wollte nie Informationen stehlen, um sie jemand anderem zu geben. Dafür waren und sind andere zuständig - wie heute das Anonymous-Kollektiv. Ich war nie ein Hacktivist, der aus politischen Motiven gehandelt hat. Es ging mir auch nie um Geld. Mein Ziel war es immer nur, der Beste in einem großen Spiel zu sein. Als ich zwischenzeitlich Katz und Maus mit dem FBI gespielt habe - was im Nachhinein ziemlich verrückt erscheint - habe ich meine Kenntnisse genutzt, um sogar der Regierung regelmäßig zu entwischen. Ich würde mich daher eher als "Nervenkitzel-Suchender" oder auch Hacking-Sportler bezeichnen. Ich suchte das Abenteuer - wie in einem Videospiel. Der Unterschied: Mein Handeln hatte direkte Konsequenzen im realen Leben.

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