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Digitalisierungsstrategie und „Digitaler Reifegrad“

Es ist fünf vor zwölf

13.06.2016
IDC Chief Analyst Frank Gens geht davon aus, dass zwei Drittel der weltweit führenden Unternehmen innerhalb der nächsten zwei Jahre dezidierte Strategien für die digitale Transformation entwickeln. Eine Studie von Lünendonk sieht beim „digitalen Reifegrad“ noch erheblichen Handlungsbedarf.

IDC fasst die Technologien, die im Zentrum des digitalen Wandels stehen, unter dem Begriff "Dritte Plattform" zusammen. Dazu gehören nach IDC-Definition Mobile Computing, Cloud-Services, Big Data, Business Analytics und Social Media. Für die erfolgreiche Umsetzung von Initiativen im Bereich Digital Business sei es unerlässlich, die "dritte Plattform" zu beherrschen. Dabei könne nahezu keine der Technologien der dritten Plattform oder der zentralen digitalen Initiativen ohne die Cloud realisiert werden. "Damit wird 'Cloud First' zum neuen Mantra der Unternehmens-IT", formuliert IDC-Chief Analyst Frank Gens.

Das wirkt sich auch erheblich auf die IT-Ausgaben der Unternehmen aus: Die Ausweitung der Digital-Business-Strategien in den kommenden 24 Monaten wird die Hälfte der IT-Ausgaben der Firmen ausmachen und bis zum Jahr 2020 auf bis zu 60 Prozent steigen. IDC erwartet, dass bis zum Jahr 2020 die Ausgaben der Unternehmen für Cloud-Dienste, Hard- und Software zur Cloud-Unterstützung sowie für Implementierung und Management der Cloud-Services weltweit die Grenze von 500 Milliarden Dollar übersteigen wird. Das ist mehr als das Dreifache der heute aufgewendeten Summe.

"Die Fähigkeit der Organisationen, zu wachsen und sich am Markt zu behaupten, wird zunehmend von ihrer Fähigkeit zur Innovation abhängen", prognostiziert IDC-Analyst Gens. In den kommenden zwei Jahren würden zwei Drittel der 2000 weltweit führenden CEOs die digitale Transformation ins Zentrum ihrer Wachstumsstrategie rücken; bis zum Ende des Jahrzehnts werde sich der Anteil an Unternehmen mit fortgeschrittenen Digital-Transformation-Strategien und entsprechenden Implementierungen mehr als verdoppeln.

Ein weiter Weg zur Digitalisierung

Nach den Ergebnissen der Lünendonk-Studie "Digitalisieren Sie schon? - Ein Benchmark für die digitale Agenda" liegt vor den deutschen Unternehmen bis dahin noch ein weiter Weg. "Erst bei 40 Prozent der analysierten Unternehmen werden digitale Innovationen systematisch vorangetrieben", sagt Mario Zillmann, Autor der Studie und Leiter Professional Services beim Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Lünendonk. "Viele Unternehmen lassen daher Chancen liegen, was auch damit zusammenhängt, dass die Umsetzung von Digitalisierungsstrategien vielerorts nicht konsequent genug vom Top-Management betrieben wird."

Für die Studie, die Lünendonk gemeinsam mit dem IT-Dienstleister Lufthansa Industry Solutions und Professor Peter Buxmann von der TU Darmstadt erstellt hat, wurden 103 Unternehmen aus den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Automotive (OEM und Zulieferer) sowie Logistik und Transport befragt. Im Zentrum der Studie stand die Frage, wie große Unternehmen ihre Unternehmensstrategien, Organisationsstrukturen und IT-Prozesse auf die Anforderungen des digitalen Wandels ausrichten. Für die Analyse der Ergebnisse wurde ein Reifegradmodell entwickelt, um anhand von zentralen Fragestellungen die Unternehmen nach dem Fortschritt ihrer digitalen Transformation einzuordnen.

Bei der Analyse des technischen Reifegrads zeigt sich, dass die meisten Firmen vor allem im Bereich Mobile gut aufgestellt sind. Aktuell ermöglichen 67 Prozent der Befragten ihren Mitarbeitern, von unterwegs auf unternehmensrelevante Kernprozesse zuzugreifen. Diese Zahl soll sich in den kommenden Jahren auf 87 Prozent erhöhen. Laut Studie planen die Unternehmen auch einen massiven Ausbau der technologischen Fähigkeiten und Lösungsmöglichkeiten im Bereich Big/Smart Data Analytics mit verstärkter Sammlung und Analyse von Kundendaten sowie Nutzung der Daten für Predictive Analytics und Predictive Maintenance-Szenarien.

Industrie 4.0 im Aufwind

Erheblich an Bedeutung gewinnen soll auch das Konzept Industrie 4.0. So wird der Anteil an Unternehmen, die Produkt- und Produktionsdaten systematisch mittels Sensoren erheben, von derzeit knapp 50 auf über 75 Prozent steigen. Für automatisierte und in Echtzeit stattfindende Datenanalysen wird ein Anstieg der Unternehmen von 57 auf 78 Prozent prognostiziert. Fast alle Unternehmen geben an, diese Technologiethemen weiter vorantreiben zu wollen. Etwas bescheidener nehmen sich dagegen die Pläne beim Thema Social Business Collaboration aus: Aktuell stellen erst 52 Prozent der Studienteilnehmer ihren Mitarbeitern moderne Technologien für effiziente Kollaboration und Kommunikation Verfügung; in zwei Jahren sollen es 86 Prozent sein.

Trotz der offensichtlichen Fortschritte bei den einzelnen technologischen Themen bemängeln die Studienautoren das Fehlen einer durchgängigen Digitalisierungsstrategie. Dies führe auch dazu, dass die einzelnen Fachbereiche oft unterschiedliche Ziele bei der Digitalisierung verfolgen und sich sogar gegenseitig behindern. "Ein effizientes und kooperatives Zusammenspiel zwischen CEO, CIO und den Fachabteilungen ist eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Bewältigung der Herausforderungen der digitalen Transformation. Ein geringer organisatorischer Reifegrad kann sich insofern als Hemmnis erweisen", sagt Zillmann.

Dabei sind sich die Unternehmen durchaus bewusst, dass sie sich des Themas annehmen müssen: Fast die Hälfte der befragten Business- und IT-Entscheider (46 Prozent) ist der Ansicht, dass die Digitalisierung schon in den nächsten zwei Jahren eine "sehr hohe Bedeutung" für den Geschäftserfolg ihres Unternehmens einnehmen wird. "Deutsche Unternehmen müssen die Geschwindigkeit, in der sie die digitale Transformation vorantreiben, massiv erhöhen - die Zeiger der Digitalisierungsuhr stehen bereits auf fünf vor zwölf!", warnt Studienleiter Zillmann.