Aktuelle Studie zu Supply Chains

Es hakt noch in der Lieferkette

Holger Eriksdotter ist freier Journalist in Hamburg.
Anzeige  Bei vielen Unternehmen steht die Automatisierung der Lieferketten auf der Agenda. In der Mehrzahl der Firmen hängen die Prozessketten allerdings noch von Telefon, Fax, E-Mails, Spreadsheets und EDI (Electronic Data Interchange) ab. Eine Studie der Marktforscher von Supply Chain Insights sieht einen Grund dafür in der unzureichenden Unterstützung durch die ERP-Systeme.
Foto: Pixelio/Gabi Schoenemann

Wenn man Manager zum Thema Supply Chain befragt, ist die Antwort immer gleich: Alle beteuern, wie wichtig effiziente und transparente Lieferketten für ihr Unternehmen sind. Aber es klafft eine große Lücke zwischen Anspruch und Realität. Zwar ist der EDI-Standart allgemein akzeptiert und weit verbreitet "Aber EDI eignet sich nur für Point-to-Point Transaktions-Daten, es fehlt die Möglichkeit der multilateralen Kommunikation in Communities. Das wird der zunehmenden Wichtigkeit der Supply Chain nicht mehr gerecht", sagt Lora Cecere, Gründerin von Supply Chain Insights und Autorin der aktuellen Studie "Supply Chain Visibility in Business Networks"

Für die Studie haben die Marktforscher von Supply Chain Insights 78 US-amerikanische Unternehmen im Zeitraum von November 2013 bis Januar 2014 online befragt. Die Teilnehmer setzten sich aus unterschiedlichen Branchen wie Industrie, Dienstleister, Groß- und Einzelhandel sowie Logistik-Provider zusammen. Ansprechpartner waren IT-Führungskräfte und/oder Supply-Chain-Verantwortliche.

"Unternehmen behaupten, dass sie End-to-End Supply-Chain-Prozesse aufbauen, aber wir haben dies nicht bestätigt gefunden", sagt Studienleiterin Cecere. Denn trotz der zunehmenden Bedeutung von gut funktionierenden und transparenten Lieferketten, läge der Fokus bei den meisten Unternehmen eher auf der Automatisierung der internen Prozessketten.

Noch bestimmen Telefon, Fax, E-Mail, Briefpost, Spreadsheets und EDI die B2B-Lieferketten.
Noch bestimmen Telefon, Fax, E-Mail, Briefpost, Spreadsheets und EDI die B2B-Lieferketten.
Foto: Supply Chain Insighs LLC

Ein dringender Grund für bessere Supply Chain liegt laut der Studie in dem nach wie vor zunehmenden Outsourcing, das eine möglichst enge Verzahnung mit dem Auftragnehmer bedingt. So gehört für Unternehmen das Outsourcen von Dienstleistungen wie Transportwesen oder (Teile der) Produktion längst zum Alltag. Fast 90 Prozent der Befragten nahmen Outsourcing-Dienstleistungen in Anspruch. Davon hat fast ein Drittel mehr als 40 Prozent der Produktion ausgelagert, mehr als die Hälfte hat mindestens 40 Prozent ihrer Logistik an Auftragnehmer vergeben.

Die weithin eingesetzten Mittel werden den zunehmenden Anforderungen indes nicht gerecht. So bestimmen mit weitem Abstand Telefon, E-mail, Fax und Briefpost, der etwas angestaubte EDI-Standard sowie Spreadsheets die B2B-Lieferprozesse. ERP-Systeme spielen indes nur eine untergeordnete Rolle.

Laut Studie haben Unternehmen im Durchschnitt sieben ERP-Instanzen im Einsatz. Bei der Hälfte der Befragten machen die Ausgaben dafür einen entscheidenden Posten im IT-Budget aus. Dass diese Aufwendungen dazu führen könnten, die Lücke in der Lieferkette zu schließen, glauben allerdings die wenigsten. "Die Ausgeben für ERP-Systeme sind häufig so gewaltig, dass Business-Manager Probleme haben, jenseits von ERP-Systemen Mittel für Supply Chain Projekt zu bekommen", sagt Analystin Cecere.

Hinzu kommt, dass es gelegentlich zwischen IT- und Business-Management strittig ist, auf welche Weise Verbesserungen in der Lieferkette erreicht werden können. "Oft widerspricht die IT-Abteilung der These, dass die Lücken in der Lieferkette nicht mit ERP-Systemen geschlossen werden können".