Vielfältige Outsourcing-Dienste

Es gibt ein Überangebot an Managed Services

02.05.2008
Von Hadi Stiel
Im stark zersplitterten Markt für Managed Services fehlt den Anwendern die Orientierung. Zudem werden viele Offerten den steigenden Anforderungen nicht gerecht.

Die Anbieter werben offensiv mit Managed Services. Der Abruf solcher Dienste nach Bedarf soll den Kunden hohe Einsparungen bringen. Allerdings springen viele Unternehmen nur zögerlich auf diesen Zug auf. Das liegt zum einen an der Unübersichtlichkeit des Markts und den unterschiedlichen Ausrichtungen der zahlreichen Offerten. Zum anderen werden die Service-Level-Agreements (SLAs) der Dienstleister den steigenden Geschäftsprozessanforderungen der Anwender oft nicht gerecht.

Dass sich über Managed Services erhebliche Einsparungen erzielen lassen, steht außer Frage. Ein Grund ist vor allem, dass sich die Dienstleistungen sehr effizient erbringen lassen, meint Peter Arbitter, Leiter Portfolio & Technology-Management bei Siemens IT Solutions and Services (SIS): "Mit Managed Services kann der Anbieter viele Kunden gleichzeitig adressieren, dadurch sind sie extrem wirtschaftlich." Arbitter beziffert das Einsparpotenzial auf bis zu 30 Prozent gegenüber dem IT-Eigenbetrieb.

Vorteile von Managed Services

Durch die Konzentration auf ihr Kerngeschäft seien die Provider zu Leistungen in hoher Qualität imstande. Auch der anhaltende Mangel an qualifiziertem IT-Personal könne ein Grund sein, Managed Services in Anspruch zu nehmen. Und schließlich sei die Hemmschwelle, Aufgaben zu delegieren, geringer als beim klassischen IT-Outsourcing. "Über das dynamische Abrufprinzip behält der Anwender die IT, das entsprechende Know-how und die laufenden Kosten besser unter Kontrolle", argumentiert der Manager. Dadurch falle auch die Abhängigkeit vom Dienstleister geringer als beim Outsourcing aus. Allerdings warnt Arbitter davor, Managed Services und Betriebshoheiten zu stark zu splitten.

Der Markt ist unübersichtlich

Managed Services sind zwar stark verbreitet in Westeuropa. Doch hinter dem Begriff verbergen sich sehr unterschiedliche Angebote.
Managed Services sind zwar stark verbreitet in Westeuropa. Doch hinter dem Begriff verbergen sich sehr unterschiedliche Angebote.

Das Problem: Der Markt für Managed Services ist stark fragmentiert. Die Offerten kommen von Outsourcern, Telekommunikationsunternehmen, Hardwareherstellern und Anbietern aus dem Hardware-Wartungsgeschäft. "Demzufolge unterschiedlich, je nach Provenienz und wirtschaftlicher Situation des Anbieters, sind die gemanagten IT-Leistungen ausgerichtet und dimensioniert", differenziert Christian Mertin, Partner im Bereich Advisory Services bei Ernst & Young. Was sich in dem Begriffsdschungel verberge, seien mehr oder weniger zielgerichtete und im Umfang sehr unterschiedliche Angebote - etwa Managed-Applications, Managed-Database-Services, Managed-Server-Hosting, Managed-Network-Services, Managed-Desktop-Services, Managed-Mobile-Services, Managed-Print-Services und Managed-Security-Services, um nur einige Beispiele zu nennen. "Die Vielfalt und die spezifischen Ausrichtungen machen deutlich, dass der Markt seine Konsolidierung noch vor sich hat", so Mertin. Entsprechend schwierig sei es, den richtigen Partner für die gewünschten Leistungen zu finden. Der größte Fehler bestehe darin, sich mit Blick auf vermeintliche Einsparungen eine ganze Armada an IT-Dienstleistern an Bord zu holen. "Damit kommt es unweigerlich zu technischen und organisatorischen Schnittstellenproblemen", mahnt der Experte. Diese wiederum können kostentreibende Unstimmigkeiten und Reibungsverluste zur Folge haben, gibt Alexander Wurdack, Director Outsourcing Operations bei Logica CMG, zu bedenken, der daher ebenfalls vor einer Zersplitterung der Verantwortlichkeiten in viele IT-Teilbereiche warnt. "Nennenswerte Einsparungen und gute Leistungen sind nur zu erreichen, wenn der Managed-Services-Anbieter die Anforderungen so komplett wie möglich abdeckt."

Inhalt dieses Artikels