Erstickt das Internet im Müll?

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Marktforscher behaupten, schon bald werde eine wahre Flut an Spam die Mail-Postfächer in aller Welt verstopfen. Doch während Provider und Softwarehersteller mit Hochdruck an Strategien und Produkten zur Eindämmung der unerwünschten Werbe-Mails arbeiten, bleiben die Anwender meist gelassen.

"Dear Sir, ... this business will benefit both of us." Mit diesem Versprechen beginnen Tausende von Mails, die dem Empfänger Millionen Dollar und ein sorgenfreies Leben in Aussicht stellen. Der angebliche Absender ist meist der Sohn oder die Frau eines ehemaligen Präsidenten oder Königs aus Afrika, die eine Erbschaft oder einen Schatz aus dem Land - oft Nigeria oder dem Kongo - schaffen möchten. Man möge ihnen doch dabei helfen, bitten Nzanga Junior Mobuto alias Eki Omorodion alias Usman Ahmed und wie sie alle heißen. Am besten stelle man das eigene Konto für die Transaktion zur Verfügung, die selbstverständlich streng geheim bleiben müsse.

Nigeria-Connection spekuliert auf Vorschüsse

Nachrichten dieser Art sollten sofort mit einem Klick in den Papierkorb befördert werden, empfiehlt Frank Ziemann, Viren- und Hoax-Experte der Technischen Universität Berlin: "Jedes einzelne Wort ist eine Lüge." Wer dennoch anbeißt und auf leicht verdiente Dollar-Millionen hofft, erlebt sein blaues Wunder. Antwortet man auf die erste Mail, fordern die Vertreter der so genannten Nigeria-Connection in einer der folgenden Botschaften einen Vorschuss. Man benötige 2000 oder 3000 Dollar, um die Transaktion vorzubereiten oder Beamte zu bestechen, lautet meist die Begründung. Schickt der Gutgläubige den Betrag, endet die Geschichte in allen Fällen gleich: Geld und Empfänger sind weg.

Neben den Betrugs-Mails, die allein mit der Absicht, die Empfänger um ihr Erspartes zu erleichtern, verbreitet werden, gibt es zahlreiche weitere Spam-Varianten, meist in Verbindung mit Werbung. Wie groß das Aufkommen dieser Massen-Mailings ist, darüber kursieren sehr widersprüchliche Angaben. Laut den Marktforschern von International Data Corp. (IDC) wandern täglich knapp 30 Milliarden E-Mails durch die Netze. Bis zu sechs Milliarden davon seien Spam. Rechnet man das auf das gesamte Jahr hoch, ergibt sich eine Summe von über zwei Billionen Spam-Mails. Dagegen sprechen die Experten von E-Marketer von rund 76 Milliarden unerwünschten Werbe-Mails, die 2003 weltweit verschickt werden dürften.

Erotik und Pornos führen Spam-Hitparade an

Laut einer Untersuchung des österreichischen Marktforschungsunternehmens Marketagent.com kursieren allein im deutschsprachigen Internet-Raum etwa 500 Millionen Spam-Mails pro Woche. Dabei liegt das Thema Sex an der Spitze der Mailing-Hitparade. So haben fast drei Viertel aller rund 7700 Befragten bereits Nachrichten mit Erotik- beziehungsweise Pornografie-Angeboten erhalten. Es folgen Werbung für Online-Shopping mit einem Anteil von etwa 60 Prozent und Flirt- sowie Partnersuchangebote mit knapp über 50 Prozent. Auf den weiteren Rängen liegen Offerten für Kreditvermittlung (44 Prozent), Weiterbildungsangebote und Universitätsdiplome (19 Prozent) sowie Werbung für Medikamente und Nahrungszusätze (17 Prozent).

Angesichts dieser Zahlen formiert sich inzwischen eine breite Allianz mit dem Ziel, die Flut von Spam-Mails einzudämmen. Dazu gehören beispielsweise die Internet-Service-Provider (ISPs). Der Kampf gegen Spam besitzt höchste Priorität, erklärt Jens Nordlohne, Sprecher von AOL in Deutschland. Mit Hilfe der Host-basierenden internen Filtertechnik würden bereits heute bei AOL täglich rund eine Milliarde Spam-Mails geblockt. Wie viel Spam durch die Maschen des Filters rutscht, vermag Nordlohne jedoch nicht zu sagen. AOL-User könnten aber mit Hilfe des in der Zugangssoftware integrierten Mail-Accounts einzelne Adressen oder komplette Domains sperren. Außerdem sei rund um die Uhr ein Lotsenteam im Einsatz, das Informationen über Massen-Mails entgegennimmt und den Filter entsprechend aktualisiert. In der nächsten Version AOL 8.0 wird außerdem ein Spam-Button eingebaut sein, kündigt der Firmensprecher an. Damit könnten die Kunden unerwünschte Mails auf Knopfdruck an den Filter weiterleiten.

Eine ähnliche Technik offeriert Portalanbieter Yahoo seit Mitte des vergangenen Jahres. Über einen Link können Anwender mit einem Mail-Account von Yahoo Spam-Mails an den Anbieter weiterschicken. Durch die Analyse dieser Informationen sei es mittlerweile gelungen, mit "Spam Guard" eine verbesserte Filtertechnik zu integrieren, erläutert Andreas Ludwig, Direktor Produkte und Services bei Yahoo Deutschland. Damit soll sich künftig die Menge der unerwünschten Mails für Yahoo-Nutzer auf ein Fünftel verringern lassen.

Während die Provider offenbar fürchten, dass der Ärger ihrer Kunden über Werbe-Mails auf sie selbst zurückfallen könnte, wittern die Hersteller von Sicherheitssoftware lukrative Geschäfte. So hat beispielsweise Security-Spezialist Network Associates Anfang dieses Jahres mit der Firma Deersoft einen Anbieter von Anti-Spam-Software übernommen. Dessen Filtertechnik soll künftig in die eigenen Security-Pakete integriert werden.