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Erste Reaktionen auf die SCO-Klagen

04.03.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nachdem SCO mit AutoZone und DaimlerChrysler jetzt auch Anwender verklagt hat (Computerwoche.de berichtete), hat Linux-Urheber Linus Torvalds mit Spott reagiert. "Das Ganze ist nur eine Scharade um die Leute vom wirklichen Problem abzulenken - nämlich dass SCO kein Business hat", erklärte Torvalds gegenüber "Cnet" in einem E-Mail-Interview.

Aus Sicht von Charles Bi Bona, Analyst bei Sanford Bernstein, fordern SCOs juristische Scharmützel aber ihren Tribut von Linux. "Die impliziten Kosten des Schutzes geistigen Eigentums wurden bei früheren Berechnungen der TCO von Linux größtenteils übersehen. Solch inkrementelle Vorauskosten werden unweigerlich einen der Schlüsselfaktoren der Linux-Verbreitung aufweichen, nämlich den scheinbaren Kostenvorteil gegenüber Windows", schrieb der Banker gestern in einem Report.

Bislang zeigen sich Linux-Anwender und Interessenten noch weitgehend unbeeindruckt von SCOs Klagen. "Wenn uns ein Kunde früher nach den Aktionen von SCO gefragt hat, haben wir geantwortet, das sei vor allem eine Vertragsgeschichte zwischen SCO und IBM, inzwischen zieht die Sache aber größere Kreise", erklärte Sam Ockman, Gründer und Chairman des Linux-Server-Anbieter Penguin Computing. "Allerdings glaube ich wirklich nicht, dass irgendjemand deswegen Linux nicht einsetzen wird."

So denkt auch Howard Feiock, Systemadministrator bei Foremost Farms USA, das Linux für Virenscans und Tests von Oracle-Unternehmenssoftware nutzt. "Ich glaube, SCO hat unrecht. Ich warte eigentlich nur darauf, dass die Klagen abgewiesen werden und SCO anschließend von der Bildfläche verschwindet. Wir werden jedenfalls nicht aufhören, mit Linux zu arbeiten."

Open-Source-Evangelist Eric Raymond hält SCOs Vorwürfe ebenfalls wie gehabt für haltlos. Er erklärte, Linux-Enthusiasten riefen sich bereits gegenseitig dazu auf, loszugehen und bei AutoZone einzukaufen - und sei es nur eine Kleinigkeit wie ein Luferfrischer. Stuart Cohen, CEO der Open Source Development Labs, kommentierte: "Ich glaube nicht, dass dies irgendwelche Auswirkungen auf die Verbreitung von Linux hat, auf die Leute die Linux einsetzen." AutoZone habe er auf den Rechtshilfe-Fonds des OSDL hingewiesen: "SCO hat ein Problem mit IBM und Novell, und ich denke, sie sollten die Anwender außen vor lassen. Wenn sie das trotzdem tun, stellen wir uns ihnen entgegen und unterstützen die Anwender." (tc)