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Erste Reaktionen auf Citrix' Xensource-Übernahme

17.08.2007
Analysten loben den Kauf des Spezialisten für Virtualisierung und spekulieren über weitere Anbietermanöver in diesem Markt.

Citrix erhält in den ersten Stellungnahmen von Analysten durchweg Zustimmung zu der 500-Millionen-Dollar Übernahme von Xensource. Es gehe dabei nicht um den technischen Kern von Xensource, die Virtualisierungs-Engine Xen. Diese ist Open Source, und ihre Entwicklung bestimmt ein Projekt, in dem neben Xensource Branchengrößen wie IBM, HP, Intel und AMD den meisten Einfluss haben. "Es geht nicht um Server-Virtualisierung, sondern darum, dass man mit virtuellen Servern an das Thema IT-Infrastruktur völlig anders herangehen kann", meint Forrester-Research-Analyst Frank Gillett zu den Interesssen von Citrix.

Der Markbeobachter meint, das Know-how um den Hypervisor-Kern, seine spezifischen Erweiterungen und insbesondere Tools zur Administration virtualisierter Umgebungen, deutlich unterstrichen durch die Präsentation von Xen Enterprise 4, machten Xensource für Citrix attraktiv. In diesem Punkt stimmt ihm Gordon Haff, Analyst von Illuminata zu: "Das Drumherum um den Hypervisor ist interessant."

Bemerkenswerterweise hat Credit Suisse eine Woche vor der Xensource-Übernahme eine Citrix-Studie ihrer Analysten Philip Winslow und Dennis Simson veröffentlicht, die geradezu prophetisch war. Sie schrieben: "Wir glauben Citrix könnte daran interessiert sein, zentrale Virtualisierungsinfrastruktur und Management-Tools zu erwerben, um das Produktportfolio so zu erweitern, dass es Rechenzentren der nächsten Generation adressiert." Sie kamen zu dem Schluss: "Unseres Erachtens könnte einer der Xen-Entwickler, entweder Xensource oder Virtual Iron, ein attraktives Ziel für Citrix sein."

Doch Citrix stehe kein Spaziergang, sondern ein Weg mit Hindernissen bevor. "Citrix betritt neue Märkte mit neuen Kunden und neuen Verkaufsargumenten. Sie müssen erst viele Dinge zusammenführen", warnt Analyst Gillet. "Die Schlacht wird darüber ausgetragen, wer die Software kontrolliert, welche die Rechenzentren kontrolliert."

VMware besetzt mindestens vier Fünftel des Markts für Server-Virtualisierung. Dem könnte das Triumvirat Citrix-Xensource-Microsoft jetzt mehr entgegensetzen. Hinzukommt, dass Novell und Red Hat, Xen in ihre Linux-Distributionen direkt integriert haben. Allerdings ist erstens nicht absehbar, welche Bedeutung die Linux-Wettbewerber bekommen. Und zweitens wird übersehen, dass VMware und Microsoft ebenfalls gute Partner sind und der Redmonder Konzern in den Wettbewerb um diesen lukrativen Markt längst mit eigenen Produkten eingetreten ist, also Eigeninteressen jenseits von VMware und Citrix hat.

Das Markforschungsunternehmen 451 Group spekuliert auf Übernahmeschlachten: "Könnte das der Auftakt sein für eine Übernahme von Citrix durch Microsoft?" Dagegen spricht, dass Microsoft mit dem GPL-Open-Source-basierenden Teil von Xensource eine sehr bittere Pille schlucken müsste.

Der Ansicht, der Virtualisierungsanbieter SWsoft ("Virtuozzo" und "Parallels") könnte ein Übernahmekandidat werden, ist das Unternehmen sogleich entgegengetreten. Firmensprecher Benjamin Rudolph teilte mit: "SWsoft ist von mehreren Anbietern kontaktiert worden, aber ist nicht auf eine Übernahme aus." Das von Risikoinvestoren finanzierte Unternehmen wachse in seiner jetzigen Form schnell und sei profitabel. "Das Führungsteam steht nicht unter Druck noch möchte es selbst eine Übernahme." Das Ziel von SWsoft bestehe weiter darin, unabhängig zu bleiben. (ls)