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Erste Eindrücke vom Microsoft SQL Server 2008

28.08.2008
Von Christian Bäcker
Microsoft empfiehlt seine Datenbank inzwischen auch für das geschäftskritische Backend großer Unternehmen. Die Neuerungen im "SQL Server 2008" sollen diesen Anspruch unterstreichen.

Microsoft hat im August den SQL Server 2008 offiziell freigegeben. Ursprünglich sollte die neue Version der Datenbank bereits im Februar zusammen mit Windows Server 2008 und Visual Studio 2008 erscheinen. Da SQL Server inzwischen jedoch eine Schlüsselposition in Microsofts Server-Landschaft ausfüllt, haben sich die Entwickler etwas mehr Zeit genommen, um das Produkt in möglichst hoher Qualität auszuliefern.

Sicherheit und Compliance

Die durchgängige Richtlinienverwaltung zählt zu den zentralen Neuerungen in SQL Server 2008.
Die durchgängige Richtlinienverwaltung zählt zu den zentralen Neuerungen in SQL Server 2008.

Zur Verwaltung des SQL Server mussten Administratoren bisher viele Aufgaben manuell oder mit individuellen Skripten erledigen. Das hat sich geändert, Administration und Wartung wurden mit vielen neuen Funktionen deutlich verbessert. Das beginnt schon bei der Installation, die jetzt zum Beispiel die Möglichkeit bietet, die Speicherorte für Datenbank- und Transaktionsprotokoll-Dateien vorab festzulegen. Eine wichtige Neuerung in diesem Bereich ist die Richtlinienverwaltung, über die man Server-Richtlinien etwa zur Einhaltung von wichtigen Datenbankeinstellungen oder Namenskonventionen festlegen kann. Die Richtlinien zu allen Datenbankoptionen lassen sich übersichtlich über das "Management Studio" erstellen und auch per Skript in andere Datenbanken einspielen.

Im Compliance-Sinn wichtig ist auch die nun integrierte Funktion zur Überwachung von Datenbankänderungen. Mit der so genannten Änderungsnachverfolgung lassen sich Modifikationen an Tabellen wie das Hinzufügen einer Tabellenspalte protokollieren. Sind allerdings gesetzliche Regelwerke wie Basel II einzuhalten, reicht die Änderungsnachverfolgung nicht aus. Deshalb hat Microsoft den SQL Server mit Auditing-Funktionen ausgestattet, über die sich jegliche Zugriffe und Änderungen am System nachvollziehen lassen. Die zu protokollierenden Informationen werden entweder über das Management Studio oder direkt über T-SQL konfiguriert. Über die Richtlinienverwaltung ist dann wiederum gewährleistet, dass alle Datenbanken mit den korrekten Audit-Einstellungen laufen.

Um weiteren Sicherheitsanforderungen zu genügen, bietet der SQL Server 2008 mit der "Transparent Data Encryption" die Möglichkeit, Datenbanken auch nachträglich vollständig zu verschlüsseln. Die Daten werden somit vor unberechtigtem Zugriff geschützt. Die Verschlüsselung erfolgt transparent im SQL Server, so dass Änderungen an bestehenden Anwendungen nicht notwendig sind. Zusätzlich wurden die bestehenden Verschlüsselungsfunktionen um das "Extensible Key Management" ergänzt, mit dem externe Verschlüsselungstechnologien im SQL Server genutzt werden können.

Verwaltung und Überwachung

Zur Verwaltung mehrerer SQL-Server-Instanzen können Administratoren einen Konfigurations-Server anlegen und verschiedene Instanzen zu Server-Gruppen zusammenfassen. Damit lassen sich unter anderem vom Management Studio aus Multiserver-SQL-Abfragen auf allen Servern gleichzeitig vornehmen. Dazu muss man allerdings auf allen Instanzen die Windows-Authentifizierung verwenden.

Zur Überwachung der Server-Auslastung bietet das System die "Performance Data Collection", mit der sich wesentliche Informationen zur Auslastung, Datenbankgröße oder Anzahl der Transaktionen historisch in einem Performance Warehouse erfassen und über Berichte auswerten lassen. Besonders bei hohen Systemlasten hat dies den Vorteil, mögliche Probleme schneller analysieren und beheben zu können. In diesem Zusammenhang ist auch der "Resource Governor" eine nützliche Ergänzung. Er weist bestimmten Benutzern oder Gruppen innerhalb einer SQL-Server-Instanz verschiedene Systemressourcen wie CPU-Zeit oder freien Arbeitsspeicher prozentual über so genannte Ressourcen-Pools zu.

Eine weitere Neuerung sind die integrierten Komprimierungsfunktionen, da die zu speichernden Datenmengen in der Regel immer stärker anwachsen. Zum einen besteht die Möglichkeit, die Daten einer Datenbank direkt zu komprimieren, was Speicherplatz spart, allerdings mehr CPU-Last verursacht. Zum anderen lassen sich die oft großen Backups unmittelbar bei der Erstellung komprimieren. Bisher waren hierzu Tools von Drittanbietern notwendig.

Für regelmäßige Auswertungen stehen im Management Studio eine Reihe von integrierten Standardberichten zur Verfügung, die zum Beispiel Auskunft über die Anzahl der laufenden Transaktionen geben und sich durch benutzerdefinierte Berichte erweitern lassen. Die "Reporting Services" sind dafür keine Voraussetzung. Verzichten muss man im Management Studio allerdings weiterhin auf Funktionen zum Vergleich zweier Datenbanken, auf skriptfähige Datenimport- und Exportmöglichkeiten sowie auf eine leistungsfähige Darstellung von Datenbankdiagrammen. Bei Bedarf ist hier weiterhin die Anschaffung von Drittanbieter-Tools nötig.