Google Chrome OS

Erste Chrome-Notebooks kommen Mitte 2011

08.12.2010
Das lange erwartete Computer-Betriebssystem Chrome OS von Google nimmt allmählich Gestalt an.
Der Chrome Web Store mit Apps für den Google-Browser ist ab sofort live.
Der Chrome Web Store mit Apps für den Google-Browser ist ab sofort live.

Die ersten Notebooks mit dem schlanken, um den hauseigenen Browser Chrome herum gestrickten Betriebssystem Chrome OS sollen in der ersten Jahreshälfte 2011 auf den Markt kommen. Den Anfang machen Acer und Samsung mit Intel-basierenden Chrome-Notebooks, wie Google gestern auf einer Veranstaltung in San Francisco ankündigte. "Andere Hersteller werden folgen", versprechen die beiden verantwortlichen Manager Linus Upson und Sundar Pichai im offiziellen Firmenblog.

Google hatte Chrome OS im Sommer 2009 angekündigt. Die Besonderheit ist, dass die meisten Anwendungen online laufen und nicht von der Festplatte gestartet werden. "Wir sind noch nicht fertig", räumten Upson und Pichai ein. Bevor Chrome OS ausgeliefert wird, soll ein Testlauf mit ausgewählten Nutzern die letzten Schwachstellen beseitigten. Google gibt dabei komplette Notebooks an Schulen, Unternehmen und Einzelpersonen aus.

Die Testmaschine für die Early Adopters heißt "Cr-48" (Google setzt die Geräte auch intern schon zu Testzwecken ein) und ist eine schwarzes 12,1-Zoll-Netbook ohne jegliches Branding. Die Tester müssen dabei unter anderem ohne Caps-Lock- und Funktionstasten auskommen, können dafür aber dank 3G-Connectivity vom US-Netzpartner Verizon auch ohne Wi-Fi praktisch immer und überall online gehen.

Google demonstrierte, dass sich ein Chrome-Notebook in weniger als 60 Sekunden einrichten und konfigurieren lässt. Auch das Aufwachen aus dem Ruhezustand erfolgt blitzartig - unter anderem, weil Chrome-Rechner keine Festplatten, sondern schnelle Solid-State-Disks (SSDs) verwenden. Außerdem wird der Chrome-Browser dahingehend erweitert, dass er möglichst viele Nutzereinstellungen über die Google-Cloud hinweg synchronisiert - das nutzt Google auch beim Aufsetzen von Chrome-Notebooks, die dann einfach das Profil des Nutzers herunterladen. "Wir bieten ihnen überall die gleiche Umgebung", versprach Pichai.

Eine weitere Neuerung von Chrome und Chrome OS wird das sogenannte Cloud Printing. Dabei installiert der Benutzer im Prinzip seine Druckertreiber in der Google-Cloud statt lokal auf seinem Rechner und kann dann von verschiedensten Endgeräten auf seinen Printer ausgeben. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass dieser mit dem Internet verbunden ist und die neue Google-Technik auch unterstützt - bislang tun das nur ein paar ganz neue Modelle von Hewlett-Packard.

Mit Chrome OS attackiert Google den Softwarekonzern Microsoft und dessen Gewinnbringer Windows, der auf der weit überwiegenden Zahl der Computer weltweit läuft. Bislang hat es kein anderes Betriebssystem geschafft, Windows auf dem PC zu verdrängen, auch nicht das freie Linux. Apple betreibt seine Mac-Rechner mit dem eigenen Betriebssystem Mac OS X. Im Business-Umfeld will Google unter anderem mit der leichten Verwaltbarkeit und hohen Sicherheit von Chrome OS punkten. Außerdem soll eine Partnerschaft mit Citrix sicherstellen, dass Mitarbeiter von ihren Chrome-Notebooks aus leicht auf alle Enterprise-Anwendungen im Rechenzentrum zugreifen können.

Google-Chef Eric Schmidt glaubt jedenfalls, dass Chrome OS "eine dritte brauchbare Alternative bei PC-Betriebssystemen" sein könnte. Während eines kurzen Gastauftritts bei der Veranstaltung in San Francisco erinnerte Schmidt an den vor Urzeiten von Oracle-Chef Larry Ellison propagierten Network Computer (NC). Eigentlich seien die neuen Chrome-OS-Rechner von der Idee her nichts anderes, so der Google-CEO - nur dass eben heute sowohl die Webtechniken als auch die PC-Hardware weit genug entwickelt seien, um das Konzept sinnvoll umzusetzen.

Bei Webbrowsern hat Google bereits Erfolge errungen. Die Zahl der aktiven Nutzer des Chrome-Browsers habe sich in diesem Jahr auf 120 Millionen verdreifacht, schreiben Upson und Pichai. Der nun eröffnete Chrome Web Store, über den Zusatzprogramme geladen werden können, soll den Browser noch attraktiver machen. Entwickler können dort Web-Applikationen als Apps anbieten - kostenlos oder kostenpflichtig - und darin anders als mit Mainstream-Websites auch modernste Browser-Funktionen wie HTML5 so richtig ausreizen.

Der Chrome Web Store ist seit gestern mit rund 500 Apps gestartet. Er ist aus dem Browser Chrome heraus unter der Adresse http://chrome.google.com/webstore erreichbar. Sehenswerte Apps liefern unter anderem bereits die "New York Times" und die britische Firma TweetDeck mit ihrem neuen Social-Web-Client "ChromeDeck". (dpa/tc)