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Erste Betas von Vista und IE 7 sind da

28.07.2005
Microsoft hat für rund 10.000 ausgewählte Tester die Beta 1 von "Windows Vista" (vormals Longhorn) veröffentlicht. Die Allgemeinheit muss sich noch bis zur Beta 2 gedulden.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft hat für Entwickler und IT-Profis die ersten Beta-Versionen des kommenden Windows "Vista" (bisherige Codename "Longhorn") und des Internet Explorer 7 in der separaten Version veröffentlicht, die noch dieses Jahr für Windows XP erscheinen soll. Die Vista-Beta hatte der Redmonder Konzern eigentlich erst für den 3. August avisiert (siehe "Longhorn hat einen Namen: Windows Vista").

Vista geht zunächst an 10.000 ausgewählte Tester. Für zahlende Mitglieder des Microsoft Developer Network (MSDN) und der TechNet-Community ist die Beta 1 ebenfalls in Kürze erhältlich, allerdings ohne den Support, den die offiziellen Tester erhalten.

Die virtuellen Ordner von Windows Vista sammeln Dateien unabhängig vom Speicherort anhand von Metadaten. Hinweis: Die transparenten Fensterrahmen sieht man nur im "Aero"-Thema mit entsprechend leistungsfähiger Grafikkarte.
Die virtuellen Ordner von Windows Vista sammeln Dateien unabhängig vom Speicherort anhand von Metadaten. Hinweis: Die transparenten Fensterrahmen sieht man nur im "Aero"-Thema mit entsprechend leistungsfähiger Grafikkarte.

Der allgemeinen Öffentlichkeit stellt Microsoft die erste Vorabversion bewusst nicht zur Verfügung (auch wenn sie in Bälde über Tauschnetze wie BitTorrent zu haben sein dürfte), zum Teil weil viele der auf den Endnutzer zielenden neuen Features des kommenden Windows noch gar nicht integriert sind - zum Beispiel ein neues Release des Windows Media Player oder Unterstützung für Tablet- und Media-Center-PCs.

Bereits zu sehen sind in der Beta 1 die neue Grafik-Engine "Avalon" oder systemweite Suchfunktionen und virtuelle Ordner (wie in Apples Mac OS X 10.4 "Tiger"). Ebenfalls integriert ist die "User Account Protection" mit dem neuen Kontentyp "Limited Account". Dieser ist von seinen Rechten her zwischen dem "Gast"-Zugang von Windows XP und dem Administrator-Konto angesiedelt, das unter Windows 2000 und XP viele Nutzer mehr oder weniger zwangsweise verwenden, um ihren Rechner sinnvoll bedienen zu können. Er soll unter anderem die Ausbreitung von Malware mit allzu vielen Rechten verhindern.

Diese Technik nutzt auch der neue Browser Internet Explorer 7 für einen "Protected Mode", der die Installation von schädlichem Code von besuchten Web-Seiten weitestgehend unterbinden soll. Wie andere moderne Browser enthält auch der neue IE Unterstützung für RSS-Feeds und beherrscht Tabbed Browsing, die Anzeige mehrerer Sites in einem Fenster mit Karteireitern. Die Firewall von Windows Vista prüft nun im Gegensatz zu Windows XP SP2 auch ausgehenden Traffic. Das Outbound-Scanning wird allerdings nur in Firmenversionen standardmäßig aktiviert.

Daneben wurden allerlei Grundlagen des Betriebssystems verbessert. Dazu gehören schnellerer und sicherer Systemstart beim Boot-Vorgang und der Rückkehr aus dem Standby-Modus, ein verbessertes Treiber-Design mit Benutzer- statt Kernel-Modus (damit ein Treiberabsturz nicht mehr das ganze System mitreißt) und ein Anti-Phishing Filter. Dieser findet sich bisher nur in der IE7-Beta für Windows XP, aber noch nicht in der mit Vista gelieferten Vista-Variante.

Die Installation von Vista erfolgt Image-basierend, also aus einer großen Datei statt der bislang üblichen Vielzahl von kleineren. Systemverwalter können das Image einfach anpassen, indem sie neue Dateien zufügen. Admins dürften sich auch über das verbesserte Ereignisprotokoll freuen, in dem sich bestimmte Aufgaben (etwa eine Nachricht an den Administrator) festlegen lassen, sobald auf einem Rechner bestimmte Probleme auftreten.

Ein neuer Restart-Manager soll die Anzahl benötigter Neustarts nach Angaben des Herstellers um geschätzt 50 Prozent reduzieren. Vista enthält außerdem neue Werkzeuge für die Diagnose von und den Umgang mit Problemen wie dem Absturz bestimmter Systemdienste, Hardwarefehlern, Netzproblemen, langsamer Systemleistung und Ressourcenfraß. Wenn beispielsweise ein Festplattenfehler droht, drängt Vista den Nutzer zu einem Backup seiner Daten.

Brad Goldberg, General Manager Windows Client, erwartet, dass die Erneuerungen am Fundament des Betriebssystems die Kosten für Nutzung und Verwaltung um 25 Prozent senken werden.

Die interessierte Öffentlichkeit muss für einen ersten Eindruck von Vista wohl noch bis zur Beta 2 warten, die Anfang kommenden Jahres erscheinen soll. Die endgültige Version ist weiterhin für das zweite Halbjahr (das klingt nach Dezember) 2006 angekündigt. Eigentlich hätte sie einmal im Jahr 2004 herauskommen sollen. Dieses Ziel wurde dann aber mehrfach nach hinten verschoben, zunächst auf 2005 und später dann auf 2006. Die Server-Variante (gestern ebenfalls an ganz ausgewählte Tester geliefert, hauptsächlich OEMs) soll 2007 folgen. (tc)