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Erste Adresse für Online-Selbsthilfe

01.04.2011
Von pte pte
Online-Foren erleben speziell als Gesundheits- und Sozialratgeber im Web einen nie gesehenen Boom.
Gebäude der Fachhochschule St. Pölten
Gebäude der Fachhochschule St. Pölten
Foto: Kraus, FH St. Pölten

Sie sind die Top-Anlaufstelle und praktische Quelle für Rat und Unterstützung, wenn Menschen in schweren Lebenslagen auf fremde Hilfe angewiesen sind. Die Anteilnahme und gegenseitige Beratungsleistung unter den Usern ist enorm, wie ein neues Forschungslabor der Fachhochschule St. Pölten aufzeigt. Sozialarbeiter könnten darin aber noch mehr wertvolle Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Bei den Forenbetreibern besteht zusätzlicher Bedarf an Entwicklungsarbeit.

"Die Anbieter können noch Feinjustierungen vornehmen", erklärt Projektleiterin und FH-Professorin Manuela Brandstetter im Gespräch mit pressetext. Mit dem Einsatz von Sozialarbeitern im Cyberspace ist etwa eine intensivere Online-Beratung möglich. Sie können helfende User in ihrem Engagement fördern oder die Internet-Foren selbst beraten. Grundlegend ist denkbar, Menschen eingangs im Web selbst dabei zu unterstützen, sich online zurecht zu finden, um Hilfe überhaupt erst finden zu können. So ist vielen der Zugang zum Internet wegen struktureller Gegebenheiten nach wie vor verwehrt.

Gerade Anti-Gewalt- und Frauenforen tendieren im Web häufig zu professioneller Hilfe. Eine reine Beratung durch Sozialarbeiter ist bei den Usern meist aber unerwünscht. "Die Selbsthilfe in den Foren ist groß", sagt Brandstetter. Hier muss nicht nur die Identität der Anwender anonym bleiben. Zudem wollen sie von gleichermaßen Betroffenen beraten werden, die bereits Erfahrung in heiklen Fragen vorweisen können, "und nicht von den Experten", erläutert Brandstetter. Diese sind hingegen dafür zuständig, die notwendige Infrastruktur zur Verfügung zu stellen und weiter zu entwickeln.

Bei den gegenseitigen Hilfeleistungen kommen die Foren-User in der Regel ohne Sozialarbeiter aus. Ihre Interaktion im Web folgt eigenen Spielregeln. Dazu zählt etwa, dass Hilfeansuchen nicht unkommentiert gelassen werden. "Das Ignorieren eines Hilferufs würde einer Verletzung der sozialen Normen gleichkommen", heißt es. Die Hilfeleistung durch die Nutzer hängt schließlich auch mit einem Gewinn an sozialer Anerkennung und sozialem Status zusammen. Viele Helfer stellen damit ihre Fähigkeiten unter Beweis. An erster Stelle des User-Engagements steht aber, andere bei der Problemlösung zu unterstützen. (pte)