ERP: Zufriedenheit der Anwender sinkt

Vice President Software & SaaS Markets PAC Germany
Laut dem "Marktmonitor ERP-Softwareanbieter" von Benchpark.com für das zweite Quartal 2007 ist die Zufriedenheit der befragten Anwender mit ihrer Software deutlich gesunken. Vor allem das Preis-/Leistungsverhältnis und die Dokumentation stehen in der Kritik. Ähnliche Studien fertigten die Marktforscher auch für CRM- und Business-Intelligence-Systeme (BI) an.

Im Vergleich zu den Auswertungen des Vorjahres fällt die Gesamtzufriedenheit der Anwender von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware ab. Wie zufrieden die Nutzer mit ihrem ERP-System sind, ermittelt Benchpark.com per Fragebogen, die die Marktforscher für registrierte Teilnehmer im Portal zur Verfügung stellen. Dabei wird geprüft, ob die Teilnehmer tatsächlich ein Anwenderunternehmen sind und auch die Software einsetzen, die sie bewerten. Am Ende blieben 808 Kundenaussagen übrig. Herausgeber der Studie ist die Firma Infosoft Herstellerneutrale Softwareberatung AG aus Hamburg, die mit Benchpark.com zusammenarbeitet.

Die Interviewten beantworten Fragen zu ihrem ERP-System, indem sie eine Punktzahl zwischen 0 bis zehn vergeben, wobei die höchste Zahl die beste Note ist. Benoten können sie die Funktionalität, die Technik, die Dokumentation, Flexibilität und den Produktsupport. Zudem können die Teilnehmer in einem Freitextfeld Stellungnahmen formulieren. Wie die Erhebung ergab, hapert es oft nicht an den Funktionen und der Technik. Vielmehr kritisieren die Nutzer die Dokumentation und das Preis-/Leistungsverhältnis der ERP-Programme.

Microsoft-Produkte liegen vorn

Aus den Antworten errechnet Infosoft die Kundenzufriedenheit und erstellt eine Rangliste. In der Kategorie A, die ERP-Systeme für Konzerne und große Unternehmen umfasst, erreichte Microsofts ERP-Produkt "Dynamics AX" in punkto Zufriedenheit den ersten Platz. Damit hat die Software das ebenfalls von diesem Softwarekonzern stammende Dynamics NAV verdrängt. Zudem liegt AX auch bei Flexibilität und Technologie vorn.

Überwiegend wurden IT-Leiter und Geschäftsführer nach ihrer Zufriedenheit mit ERP-Software befragt. Fachanwender machten ein Drittel der Interviewten aus.
Überwiegend wurden IT-Leiter und Geschäftsführer nach ihrer Zufriedenheit mit ERP-Software befragt. Fachanwender machten ein Drittel der Interviewten aus.
Foto: Benchpark.com

IFS hat Infor (mit Infor AS, vormals Brain Industry) vom dritten Platz verdrängt. Auf Platz fünf verbleibt SAP mit Mysap ERP. Es folgen Infors "ERP LN" (vormals Baan) und "SAP Business One".

Gute Noten für Open-Source-ERP

Kategorie B setzt sich aus ERP-Lösungen für kleinere und mittelständische Unternehmen zusammen. Hier konnte das Open-Source-Programm Seat-1 den ersten Platz belegen, gefolgt von Boreas ("Aplix Business-Framework"). Platz drei ging an SoftM Semiramis. SoftM hatte das insolvente Unternehmen Semiramis vergangenes Jahr übernommen und bietet es nun neben den bestehenden Produkten an. Auf den Plätzen vier und fünf landeten Abas Software AG aus Karlsruhe sowie Ordat mit der auf Fertigungsbetriebe spezialisierten Software "Foss".

Die Befragten sind zu zwei Dritteln aus der Geschäftsführung oder der IT-Leitung des Unternehmens, der Rest sind Fachanwender. In der Regel beurteilen die für die Anschaffung der Software verantwortlichen Personen das Produkt anders als diejenigen, die täglich damit arbeiten.

Bewertungungen der ERP-Anbieter

Kundenzufriedenheit Kategorie A

  1. Microsoft (Dynamics AX ehem. Axapta): 5,78 = "gut"

  2. Microsoft (Dynamics NAV ehem. Navision): 5,77 = "gut"

  3. IFS Deutschland (IFSiV): 5,34 = "gut"

  4. Infor Global Solutions GmbH (Infor AS ehem. Brain Industry): 5,31 = "gut"

  5. SAP AG (mySAP ERP): 5,15 = "gut"

Kundenzufriedenheit Kategorie B

  1. Seat-1 Software GmbH (Open Source - seat-1 ERP): 8,57 = "sehr gut"

  2. Boreas GmbH (aplix): 7,67 = "sehr gut"

  3. SoftM Semiramis GmbH & Co. KG (Semiramis): 7,36 = "sehr gut"

  4. Abas Software AG (abas-Business-Software): 6,99 = "gut"

  5. Ordat GmbH & Co. KG (FOSS): 6,95 = "gut"

Kleine Anbieter sind beliebter

Generell gilt, dass es für größere Anbieter schwieriger ist, gute Noten zu bekommen, weil die Installationen oft komplexer sind. Zudem verfügen kleinere Hersteller oft über einen direkteren Kontakt zu dem Kunden, was sich positiv auf den Support auswirkt. Zu diesem Ergebnis kam auch die "ERP-Zufriedenheitsstudie 2006" der Trovarit AG. Letztere Studie verfügt über eine weitaus höhere Datenbasis und stützt sich auf deutlich umfangreichere Fragebögen.

Reperaturstau bei Anwendern

Einen Einfluss durch die zunehmende Nachfrage nach ERP-Software lässt sich aus den Ergebnissen noch nicht ablesen, so Bettina Voigt von Infosoft. Seit Herbst steigt die Zahl an ERP-Projekten spürbar an. Nach Angaben von Infosoft investieren viele Firmen in ERP-Lösungen, um ihre IT-Umgebung zu modernisieren und mehrere verschiedene Produkte durch ein neues, integriertes System zu ersetzen. In den vergangenen Jahren habe sich ein "Reparaturstau" gebildet, der nun abgetragen werde.

ERP-Projekte leiden unter dem Fachkräftemangel

Wie das Beratungshaus festgestellt hat, macht sich der in den zurückliegenden Jahren bei den ERP-Herstellern vollzogene Personalabbau bemerkbar. Oft fehlten Spezialisten beziehungsweise ausreichend ausgebildete Experten, um Projekte beim Kunden zu stemmen.