App statt Excel

ERP-Tools aus dem App Store

Manfred Buchner ist Journalist in Berlin.
Arbeit von unterwegs: Das mobile Internet bringt ERP auf das Tablet oder das Smartphone.
In der deutschen Sage-Zentral in Frankfurt werkelt man an der mobilen ERP-Zukunft.
In der deutschen Sage-Zentral in Frankfurt werkelt man an der mobilen ERP-Zukunft.
Foto: Sage

Das mobile Internet wird erwachsen. Im März dieses Jahres ließ die Experton Group verlauten, dass Unternehmen den Einsatz von Smartphones und Tablets deutlich strategischer als vor einem Jahr angingen. Dabei stehe die Geschäftsprozessoptimierung im Vordergrund. Genau um diese Optimierung der Abläufe geht es auch ERP-Anbietern, die ihre Kunden mit mobilen Lösungen umwerben. Wenn etwa ein Mitarbeiter auf Geschäftsreise ist, bleibt mancher Prozess stecken - das behindert die Abläufe. Dabei sind Lösungen für das Problem bereits verfügbar. Ralf Preusser, Mobility-Verantwortlicher beim ERP-Anbieter Sage Software Deutschland, sagt: "Eine Schwachstelle dieser Art lässt sich heute mit einer Rechnungsfreigabe-App, die der Reisende kurz zwischendurch bedient, einfach beheben."

Die Ausdehnung des Wirkungskreises von ERP ist einer der großen Vorteile einer mobilen App. Seit rund einem Jahr werden ERP-Apps deshalb in vielen Bereichen eingesetzt - beim mobilen Kommissionieren, in der Betriebsdatenerfassung oder für die Aufnahme von Arbeitszeiten auf der Baustelle. Besonders beliebt bei Geschäftsführern und Vertriebsmitarbeitern ist die Abfrage von Umsatz-Reporting-Listen oder Kundenständen.

Auf den Einsatzwunsch kommt es an

Die Apps erweitern den Wirkungsradius eines ERP-Systems um dedizierte Lösungsausschnitte. Statt einer Excel-Tabelle zur Kommissionierung erhält der Lagerarbeiter heute eine Mini-ERP-App, aus der er die Warenzusammenstellung entnehmen kann. Sage-Mann Preusser: "Die Mini-App fungiert wie ein Light-Client, der dem Arbeiter den Aufgabenausschnitt zur Verfügung stellt, den er für seinen spezifischen Aufgabenbereich braucht." Die ganz kleinen ERP-Häppchen sind meist für das Smartphone vorgesehen. Von Tablet-Apps erwarten die Nutzer dagegen schon mehr Funktionalität.

Die Bildschirmgröße spielt bei der Differenzierung von Apps eine wichtige Rolle. Kleinste Anwendungen für das Smartphone werden in der Regel als native App entwickelt, das heißt, die ERP-App wird spezifisch auf das jeweilige Smartphone-Betriebssystem zugeschnitten. Bei Tablet-Anwendungen, die einen komfortablen Bildschirm nutzen können, geht der Trend eindeutig zur Web-App. Diese Variante läuft im Browser und funktioniert dadurch geräteunabhängig.

Dabei bleibt oft die Frage, ob sich ein Anwender eher für eine App auf dem Smartphone entscheiden soll oder für eine Web-App. "Das ist die falsche Fragestellung", sagt Preusser und unterscheidet: "Es kommt allein auf den gewünschten Einsatz an. Wenn es nur um kleine ERP-Ausschnitte wie die Rechnungsfreigabe geht, kommt man mit der Smartphone-App am schnellsten und einfachsten ans Ziel." Noch experimentieren die Marktteilnehmer. Oder wie es Heiko Henkes von Techconsult kürzlich ausdrückte: "Mobile ERP ist noch nicht wirklich stark ausgeprägt." Die Betonung liegt auf "noch"! (uk/sh)