Ressourcen flexibel und sicher planen

ERP aus der Cloud

Henk Vluggen ist Principal Presales bei der Exact Software GmbH. Seit über zehn Jahren betreut er mittelständische Unternehmen, die von Deutschland aus ins Ausland expandieren und ihre internationalen Niederlassungen tagesaktuell im Griff behalten wollen. Henk Vluggen kennt die Bedürfnisse und Anforderungen im Mittelstand, den Markt und die spezifischen Stärken der deutschen KMUs. Neben ERP sind seine Schwerpunkte internationales Accounting, Projektmanagement, Prozessoptimierung und Eventmanagement.
Ob E-Mail, Sicherheitslösungen oder Finanzgeschäfte: Immer mehr Anwendungen werden in die Cloud verlagert. Inzwischen gilt dies auch für ERP-Systeme. Doch ist die Ziet wirklich reif dafür?

Ähnlich wie bei Telefonanlagen, IT-Management oder Gehaltsabrechnung lagern Unternehmen auch die Planung von Ressourcen an Dienstleister aus und nutzen dabei Anwendungen aus der Cloud. Die Gründe dafür sind meist die gleichen: Konzentration auf das Kerngeschäft, höhere Flexibilität und Skalierbarkeit, weniger Management-Aufwand und geringere Kosten.

Bevor ERP-Daten in die Cloud ausgelagert werden, sollten Unternehmen einen Fragenkatalog erstellen, um die Vor- und mögliche Nachteile abzuwägen.
Bevor ERP-Daten in die Cloud ausgelagert werden, sollten Unternehmen einen Fragenkatalog erstellen, um die Vor- und mögliche Nachteile abzuwägen.
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Der Sicherheitsaspekt

Dabei muss der Provider selbstverständlich alle aktuellen Sicherheitsmaßnahmen treffen und Datenschutzrichtlinien einhalten. Da aufgrund der Entscheidung zum Safe-Harbor-Abkommen persönliche Daten derzeit praktisch nicht mehr in die USA übertragen werden dürfen, kommen aus Compliance-Gründen aktuell nur Anbieter aus Europa in Frage. Viele ermöglichen eine Datenspeicherung ausschließlich in Deutschland, allerdings häufig gegen Aufpreis. Entsprechend müssen Unternehmen genau entscheiden, welche Daten wie gut gesichert werden.

Hierzu sollten sich Firmen die folgendenen Fragen beantworten:

  • Wie sensibel sind die Daten?

  • Wer könnte was damit anfangen?

  • Wie viel kostet welches Sicherheitsniveau?

  • Welche Risiken entstehen bei geringerem Schutz?

Anschließend ist das Preis-Leistungsverhältnis anhand von Kosten und Nutzen abzuwägen.

Bei ERP-Daten liegt die Sensibilität meist im mittleren Bereich. Persönliche Angaben zu Kunden oder Umsatzzahlen sollten gut geschützt werden. Doch mit reinen Zahlenreihen, die in komplexen Datenbankstrukturen eingebettet sind, können nur wenige Spezialisten etwas anfangen. Daher reicht hier oft ein gewisser Grundschutz. Gelegenheits-Hacker werden dadurch meist schon abgeschreckt und gegen extrem böswillige Angreifer helfen oft nicht einmal die strengsten Sicherheitsmaßnahmen. Daher sollten Unternehmen bei der Security realistisch bleiben und die Maßnahmen nicht übertreiben. Denn häufig verursachen die letzten 10 Prozent an Sicherheit 90 Prozent der Kosten.

Wann lohnt sich die Cloud?

Auch angesichts anderer Ausgaben wie Migrationskosten und Mitarbeitertraining stellt sich mittelständischen Unternehmen natürlich die Frage nach dem RoI. Dieser lässt sich nicht seriös in Euro und Cent berechnen. Vielmehr ist der Schritt in die Cloud eine Kulturfrage. Dies wird am besten mit dem Vergleich zur OnPremise-Welt anschaulich.

Bislang haben Unternehmen alle Anwendungen mit eigenen Mitarbeitern und Infrastrukturen ausgeführt. Doch aufgrund der immer schnelleren technologischen Entwicklung sind sowohl die Systeme als auch das Mitarbeiterwissen nach wenigen Jahren schon veraltet. Entsprechend muss das Unternehmen in neue Versionen und Schulungen investieren. Dieses Rad dreht sich immer schneller, so dass der Aktualisierungsaufwand immer höher wird.

Bei ausgelagerten Anwendungen kümmert sich dagegen nicht mehr das Unternehmen um Updates, Wartung und Management, sondern der Dienstleister. Da er gleichzeitig viele Kunden bedient und die Aktualisierungen häufig in einem Schritt erledigen kann, profitiert er von Skaleneffekten und einem relativ gesehen deutlich niedrigerem Aufwand pro Installation. Diese Kostenvorteile gibt er teils an die Kunden weiter, teils investiert er sie in häufigere Aktualisierungen und Erweiterungen des Angebots.

Wird die Wolke akzeptiert?

Viele mittelständische Unternehmen sind weiterhin skeptisch gegenüber Cloud Computing. Die Technologie teilt dieses Schicksal mit vielen anderen Innovationen. In der Regel ist Deutschland kein technischer Vorreiter, holt dafür aber später gewaltig auf. Auch bei der Cloud scheint dies der Fall zu sein. So zeigt eine aktuelle Umfrage von SignforCom unter OnPremise Kunden in Deutschland, dass sich insgesamt mehr als ein Drittel kurzfristig oder langfristig eine Migration ihrer ERP-Systeme in die Cloud vorstellen können.

Die meisten Ablehnungen lagen übrigens nicht an Sicherheitsbedenken oder Skepsis gegenüber der Cloud. Bei diesen Firmen arbeiten in der Regel nur ein bis zwei Personen an ihrem Büro-Arbeitsplatz mit der ERP-Software, so dass sie keinen ständigen Online-Zugriff benötigen. Dies zeigt, dass die grundlegende Ablehnung der Cloud auch in Deutschland deutlich schwindet. Entsprechend zeigen hierzulande viele ERP-Cloud-Lösungen ein jährliches Wachstum im zweistelligen Bereich.
So werden die Barrieren immer niedriger und die Akzeptanz steigt. Daher setzt sich auch in Deutschland die Nutzung von ERP-Lösungen aus der Cloud zunehmend durch. (bw)