Designkonzepte

ERP-Architekturen stehen vor einem Umbruch

Martin Bayer
Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; mitverantwortlich für die Entwicklung von Themenschwerpunkten; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.
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ERP-Monolithen aufbrechen?

"Die Komplexität der ERP-Architekturen haben Hersteller ein Stück weit mit verursacht." Marco Lenck, DSAG-Vorstand.
"Die Komplexität der ERP-Architekturen haben Hersteller ein Stück weit mit verursacht." Marco Lenck, DSAG-Vorstand.
Foto: DSAG

Für die Anbieter werde es deshalb verstärkt darum gehen, alte monolithische Strukturen aufzubrechen, sagt Bernd Wetekam, ERP-Experte bei Accenture. Der Weg führt zu integrationsfähigen Komponenten. "Das ist das A und O sowohl aus einer funktionalen wie auch aus der Architektursicht." Es sei notwendig, die Dinge modularer zu gestalten.

Dieses Versprechen haben die Softwarehersteller bereits vor Jahren im Zusammenhang mit Service-orientierten Architekturen (SOA) gegeben. Die Vision war, einzelne Softwarebausteine beliebig mit Hilfe von standardisierten Schnittstellen verknüpfen zu können. Dazu sollten die in die Jahre gekommenen Softwaresuiten in einzelne Servicemodule zerlegt werden.

"Doch die Monolithen aufzubrechen ist schlichtweg nicht praktikabel", sagt Trovarit-Vorstand Sontow und verweist auf die Mächtigkeit der Softwarepakete. Kaum jemand vermöge zu überblicken, was beispielsweise SAP über die Jahre in seinem System angehäuft habe. "Wer soll das im Rahmen eines Re-Engineerings der Architektur aufbrechen?", fragt der Experte. "Die Konsequenzen sind gigantisch. Das ist nicht zu machen." Für die Anbieter werde es darum gehen, rund um ihre Suiten kleingranulare Softwaremodule anzubieten. Diese ähnelten schon eher einer SOA: "Die Monolithen schmelzen im Laufe der Zeit etwas ab, verschwinden aber nicht." Nicht umsonst habe SAP mit Business ByDesign neu angefangen. "Die Altsysteme sind ein gordischer Knoten, der sich kaum mehr lösen lässt", sagt Sontow.

PAC-Experte Niemann sieht in Sachen SOA Defizite: "Ein wirklich SOA-fähiges System aus einem bestehenden heraus zu entwickeln dauert und ist aufwendig." Daher hätten viele Hersteller beschlossen, ohne Altlasten zu beginnen und komplett neue Systeme zu entwickeln. Dabei bleibe SOA ein wichtiges Designkonzept, stellt Niemann klar: "SOA ist nicht tot." Nur der Fokus habe sich im Lauf der Jahre etwas gewandelt. Heute bilde SOA die Basis für viele moderne ERP-Produkte, zu denen auch SaaS-ERP-Lösungen zählten. Mit Hilfe von SOA ließen sich wichtige Anforderungen wie Flexibilität und Anpassbarkeit leichter erfüllen.

Den Entschluss, komplett neu anzufangen, haben zuletzt vor allem kleinere ERP-Anbieter gefasst, sagt Gronau. Hersteller wie Nissen und Velten, GUS oder Oxaion hätten neue Anwendungen entwickelt, die sie neben ihre Altanwendungen stellten. Außerdem hätten diese Anbieter die Chance, sich an die Plattformen und Architekturen der Großen anzuschließen, und zwar sowohl im klassischen Softwaregeschäft als auch im Cloud-Umfeld. Die Anbieter könnten auf dieser Grundlage Speziallösungen etwa für bestimmte Branchen anbieten, sagt Niemann. Nicht alle seien auf Dauer in der Lage, notwendige Infrastrukturkomponenten selbst zu entwickeln, zu pflegen und zu betreiben: "Wenn man zu klein ist, wird das schwierig."

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