CW-Kolumne

Erobert das Internet jetzt das Auto?

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Facebook, Google, Streaming Media- Dienste, Internet im Auto - kommt nun der digitale Overkill, oder ist das echter Fortschritt?
"Mittelfristig werden wir uns wohl daran gewöhnen müssen, dass auch das Auto zu einem Teil des Unternehmensnetzes wird." Jürgen Hill, leitender Redakteur COMPUTERWOCHE.
"Mittelfristig werden wir uns wohl daran gewöhnen müssen, dass auch das Auto zu einem Teil des Unternehmensnetzes wird." Jürgen Hill, leitender Redakteur COMPUTERWOCHE.

Viele Leser werden bei der Vorstellung vielleicht den Kopf schütteln und abwinken. Oder sich fragen, warum sich die IT-Abteilung mit diesem Thema befassen sollte. Doch blicken wir nur wenige Jahre zurück. Damals hätte sich auch niemand träumen lassen, dass das Mobiltelefon einmal zu einem der wichtigsten Internet-Devices aufsteigt und der damit verbundene ByoD-Gedanke ein Umdenken hinsichtlich der IT-Strategie im Unternehmen erfordert. Die Vernetzung des Autos ist letztlich nur ein weiterer logischer Schritt in der mobilen Revolution.

Mittelfristig werden wir uns wohl daran gewöhnen müssen, dass auch das Auto zu einem Teil des Unternehmensnetzes wird. Glauben Sie nicht? Dann sollten Sie bedenken, dass etwa QNX, eine Tochter des Blackberry-Herstellers RIM, bereits SAP-Frontends im Auto getestet hat. Oder ein anderes Szenario: Das Fahrzeug checkt automatisch in der Cloud den Terminkalender des Users, berechnet, wann er zum nächsten Termin losfahren muss, und teilt ihm dies per Mail mit. Unterwegs reagiert es dann dynamisch auf die Verkehrslage. Sollte sich eine Verspätung dennoch nicht vermeiden lassen, schickt das Auto gleich eine Mail mit der voraussichtlichen Ankunftszeit an den Geschäftspartner.

Science-Fiction? Mitnichten, denn die grundlegenden Techniken sind vorhanden, sie müssen nur noch vernetzt werden. Hier kommen die Autobauer ins Spiel, die derzeit ihre Systeme noch abschotten. Sie erweisen sich damit aber einen Bärendienst. Denn solange das vernetzte Auto nicht mehr bietet als die anfangs angesprochenen Services, folgt bei Käufern und Dienstwagenfahrern schnell die Ernüchterung. Warum sollen sie einen Aufpreis von 3000 Euro und mehr bezahlen, wenn sie wie im App Store eines deutschen Premium-Anbieters nur zwei Apps finden? Dabei sind zahlreiche neue B2Cund B2B-Services mit großem Umsatzpotenzial denkbar. Dies wird aber nur mit fairen Partnerschaften funktioneren.