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Erneute Spekulationen über Abwertung der Telekom-Immobilien

19.03.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Telekom-Chef Ron Sommer und der ehemalige Finanzvorstand Joachim Kröske sollen bereits im Jahr 1998 über die zu hohe Bewertung der Telekom-Immobilien informiert gewesen sein. Einem Bericht des Magazins "Focus" zufolge machte der frühere DeTe-Immobilien-Chef Frerich Görts schon am 24. März 1998 Kröske darauf aufmerksam, dass Liegenschaften in Bonn, Düsseldorf, Köln und München in der Bilanz um ein Fünftel überbewertet waren. Anschließend habe ein Gespräch der beiden mit dem Telekom-Chef stattgefunden. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zitiert in seiner aktuellen Ausgabe aus Briefen und Beweismitteln, die Görts im Rahmen einer Klage gegen die Telekom vorgelegt habe. Demnach hat Görts den Telekom-Chef und den damaligen Aufsichtsratschef Helmut Sihler 1998 auf die Bewertungsproblematik hingewiesen.

Die Telekom bleibt dabei, dass die Immobilien im Rahmen ihrer Eröffnungsbilanz im Jahr 1995 und auch danach sach- und fachgerecht bewertet worden sind. Einem Konzernsprecher zufolge sind die von Görts vorgebrachten Einwände in einem Sondergutachten als nicht stichhaltig bewertet worden. In den Berichten der Magazine seien keine neuen Erkenntnisse verarbeitet worden.

Der Bonner Konzern hatte im Februar 2001 eine Neubewertung von etwa 12.000 Telekom-Immobilien vorgenommen, was eine Korrektur der Bilanz um 3,9 Milliarden Mark nach unten zur Folge hatte. Daraufhin hatte die Aktionsgemeinschaft geschädigter T-Aktionäre gegen Telekom-Chef Ron Sommer sowie den Unternehmensvorstand Strafanzeige gestellt (Computerwoche online berichtete).

Nun drohen der Telekom möglicherweise weitere Wertberichtigungen. Einem Bericht der Fernsehsendung "Report Mainz" zufolge erwartet Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick verlässliche Aussagen über den tatsächlichen Immobilienwert von einem neuen Gutachten im dritten Quartal. „Wenn dieses Gutachten vorliegt, wissen wir, wie hoch der Abwertungsbedarf dann ist. Ich kann Ihnen also heute noch nicht sagen, ob die 3,9 Milliarden Mark die hundertprozentig richtige Zahl ist“, so Eick.