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Erneut Vorstand in U-Haft - Siemens unter Schock

27.03.2007
Drei der einst vier designierten Nachfolger Heinrich von Pierers sind inzwischen in den Strudel der Schmiergeldaffäre gezogen worden. Nur dem damaligen Sieger im Rennen um den CEO-Posten, Klaus Kleinfeld, wird nichts zur Last gelegt.

Den von einer Schmiergeldaffäre gebeutelten Siemens-Konzern sollte eigentlich nur noch wenig erschüttern können. Da wurden in den vergangenen Monaten zig Standorte von Polizei und Staatsanwaltschaft durchsucht, ein früherer Vorstand verhaftet und dubiose Zahlungen in dreistelliger Millionenhöhe entdeckt. Als sich am Dienstag in der Siemens-Zentrale am feudalen Wittelsbacher Platz die Nachricht von der Verhaftung von Zentralvorstand Johannes Feldmayer (Foto) verbreitete, war das dennoch für viele Beschäftigte ein Schock. Zum einen ist der 50-Jährige, der einmal als Kandidat für den Chefsessel galt, beliebt bei Deutschlands größtem Elektrokonzern. Zudem steht nun erstmals ein aktiver Zentralvorstand im Zentrum der Affären und Skandale. "Die Lebenserfahrung lehrt, dass es immer noch schlimmer kommen kann", stöhnte ein Siemens-Funktionär.

Feldmayer wurde am Dienstag im Zuge neuer Durchsuchungen bei Siemens in München, Erlangen und Nürnberg verhaftet. Er hatte vor einigen Jahren einen dubiosen Vertrag mit Siemens-Betriebsrat Wilhelm Schelsky unterzeichnet, der Bundesvorsitzender der Unabhängigen Arbeitnehmervertretung (AUB) ist. Mehr als 14 Millionen Euro sollen an Beratungsfirmen Schelskys geflossen sein. "Die Verhaftung Feldmayers zeigt, dass der Sumpf größer ist, als man jemals geglaubt hat", sagte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer in einer ersten Reaktion. Er habe Feldmayer in Verhandlungen als verlässlichen Partner gekannt. Umso erschütternder sei seine mögliche Verwicklung in die Affäre.

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