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Eric Schmidt kommt ins Apple-Board

30.08.2006
Google-Chef Eric Schmidt wird Mitglied des Verwaltungsrats von Apple. Beobachter sehen darin einen möglichen engeren Schulterschluss beider Firmen gegen Microsoft.

Die meisten Board-Personalien werden von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Wenn es aber um zwei so prominente Branchengrößen wie Schmidt und Apple-Chef Steve Jobs geht, lässt das aufhorchen. Prompt sind Spekulationen ins Kraut geschossen, der Schritt könnte eine breitere Allianz von Apple und Google nach sich ziehen.

Einige Analysten mutmaßen zum Beispiel, Google könnte Apple dabei helfen, sich neue Umsatzströme etwa im Bereich Internet-Werbung zu erschließen, der Grundlage von Googles hochprofitablem Geschäft.

"Wie Apple ist Google sehr fokussiert auf Innovation. Wir glauben, dass Erics Einsichten und Erfahrung sehr wertvoll sein wird, wenn es darum geht, Apple durch die vor uns liegenden Jahre zu führen", erklärte Jobs. Apple-Sprecher Steve Dowling wollte aber keine näheren Angaben dazu machen, wie Schmidts Beitrag zum Apple-Business konkreter aussehen könnte.

Zwischen den Chefetagen beider Firmen gibt es ohnehin schon länger personelle Verquickungen. Genentech-CEO Arthur Levinson sitzt in Apples und Googles Board; die beiden Apple-Directors Al Gore (Ex-Vizepräsident der Vereinigten Staaten) und Bill Campbell (Chairman von Intuit) sind beide seit langem Google-Berater. Mit Schmidt hat damit das halbe achtköpfige Apple-Board formale Beziehungen zu Google.

Jobs und Schmidt verbinden überdies ihre langen Karrieren im Wettbewerb gegen Microsoft. Schmidt verbrachte ab 1983 mehr als 13 Jahre bei Sun Microsystems, wo er bis zum Chief Technology Officer aufstieg, während sich Sun abmühte, sein Java als neuen Standard gegen Microsofts dominierende Programmierstandards zu etablieren. 1997 stieß er dann als Chairman und CEO zu Novell, das in eine bittere Auseinandersetzung mit dem Redmonder Konzern um den Markt für Netzwerk-Betriebssysteme steckte.

Auch Jobs wurde als Chef von Apple mit Zwischenspiel bei Next Zeuge von Microsofts Aufstieg zum dominierenden Anbieter von PC-Betriebssystemen. Zuletzt gelang es ihm allerdings, mit Produkten wie dem iPod und iTunes Apple in Bereichen wieder nach vor zu bringen, in denen Microsoft bislang noch kein effektiver Wettbewerb gelungen ist – gleiches gilt für Google im Bereich Online-Suche und -Werbung.

Der Apple-Chef stellte diese Gemeinsamkeit unlängst auf der weltweiten Entwicklerkonferenz seiner Firma heraus. Microsoft gebe zwar jedes Jahr fünf Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung aus, so Jobs, "aber dieser Tage scheinen sie nichts anderes zu können als Google und Apple zu kopieren".

Von Microsoft gab es jedenfalls keinen Kommentar zu Eric Schmidts Einstieg in den Apple-Verwaltungsrat. (tc)