Digitale Beiräte

Erfolgskritische Komponente in der digitalen Transformation

Dwight Cribb, Partner und Geschäftsführer der gleichnamigen Personalberatung. Er hat die spezialisierte Personalberatung für Online, Medien, Telekommunikation und Technologie 1998 gegründet.
Immer mehr Unternehmen erkennen, dass sie ihre Führungsgremien mit digitalen Experten verstärken müssen. Jedoch ist dies derzeit noch eher die Ausnahme als die Regel. Außerdem kann nur eine einzige Person im Vorstand oder ein einzelner Aufsichtsrat mit Digitalkompetenz zeitlich und inhaltlich nicht alle Fragestellungen adressieren.

Spätestens als Bundeskanzlerin Merkel und Oliver Samwer zusammen auftraten, war klar: Die digitale Transformation der Wirtschaft ist im Mainstream angekommen. Großkonzerne und Mittelstand beginnen zu verstehen, dass es nicht mit ein paar isolierten Initiativen getan ist, dass ein Cyber-Löwe - der Cannes New Media Award - nicht der König im digitalen Dschungel ist. Und nachdem sich die Entscheider nun an den Dauerzustand Euro-Krise gewöhnt haben, wenden sie sich vermehrt den Herausforderungen der Digitalisierung zu.

Um die Digitalisierung eines Unternehmens in Angriff zu nehmen, kann eine klare Sicht von außen das Management unterstützen.
Um die Digitalisierung eines Unternehmens in Angriff zu nehmen, kann eine klare Sicht von außen das Management unterstützen.
Foto: SelenaMay_Shutterstock.com

Kein Kenner der digitalen Wirtschaft bezweifelt denn auch nur im Ansatz, dass praktisch jedes aktuell existierende Geschäftsmodell von der Digitalisierung der Wirtschaft und Umwelt grundlegend verändert und bedroht wird. Es wird aber auch in Gesprächen mit diesen Experten gleichermaßen klar, dass es sehr schwierig ist, genau zu erklären, wie sich einzelne Geschäftsmodelle verändern werden, von wo die größten Veränderungen kommen und wann und wie sich diese äußern werden.

Auseinandersetzung mit dem Markt

Die Komplexität von Geschäftsprozessen und die Geschwindigkeit der technischen und gesellschaftlichen Veränderung sind so, dass es einer intensiven Auseinandersetzung mit Unternehmen und Märkten bedarf, um Chancen und Herausforderungen präzise zu bestimmen.

Jedoch überfordert die Auseinandersetzung viele, wenn nicht die meisten Unternehmen. Die Reaktion darauf fällt unterschiedlich aus: Manche entscheiden sich dafür, das Thema weiter zu ignorieren und ein paar Pflaster in Form von Leuchtturmprojekten darüber zu kleben. Andere holen sich Berater ins Haus, die ihnen die richtige Strategie zurechtlegen sollen. Ersteres führt in den Weltbild-/Schlecker-Himmel, letzteres dazu, dass alle Unternehmen mit sehr ähnlichen Strategien gegeneinander antreten.

Immer mehr Unternehmen erkennen, dass sie ihre Führungs- und Lenkungsgremien mit Experten verstärken müssen, deren Fokus die Digitalisierung des Unternehmens ist. Jedoch ist dies derzeit noch eher die Ausnahme als die Regel und außerdem kann eine Person allein im Vorstand oder ein Aufsichtsrat mit Digitalkompetenz zeitlich und inhaltlich nicht alle Fragestellungen adressieren.

Aber wer hilft den Unternehmen mit den Antworten auf die existenzielle Frage der Digitalisierung? Wer unterstützt Unternehmen dabei, die richtigen Fragen zu stellen und zu bewerten, was wirklich von fundamentaler Bedeutung für den zukünftigen Erfolg ist? Und wer steht den digitalen Führungskräften in den Unternehmen als Sparringspartner zur Seite?

Digitale Beiräte stärken den Vorstand

Der britische Reisekonzern Thomas Cook, das Schweizer Medienunternehmen Tamedia und das US-amerikanische Pharmaunternehmen Pozen haben einen Ansatz gefunden, bei dem die Vorteile klar auf der Hand liegen: Sie haben Digital Advisory Boards installiert. Digitale Beiräte, die den Vorstand in Zeiten des Wandels stärken, beraten und unterstützen und somit maßgeblichen Anteil an der Innovationsfähigkeit der Unternehmen haben.

Bestehend aus erfahrenen Experten aus der Digitalwirtschaft ergänzt um Entscheider aus den jeweiligen Unternehmen haben die Digital Advisory Boards die Aufgabe, digitale Trends zu antizipieren und zu reflektieren, digitale Chancen und Gefahren zu erkennen und vor allem eine externe Perspektive beizusteuern und als Ratgeber zu fungieren. Kurzum: Das Digital Advisory Board ist ein externes Beratungsgremium, das gestandene Führungskräfte mit dem Fokus auf Digital vereint.

Eine weitere, nicht weniger wichtige Aufgabe der Digital Advisors liegt darin, dem Unternehmen zu helfen, die neuen Strategien erfolgreich zu implementieren. Denn die Arbeitsweisen von Hochleistungsteams im Digitalbereich weichen fundamental von denen traditioneller Unternehmen ab. Die Werte, Ziele, Geschwindigkeiten und Zusammenarbeitsformen dieser Teams können bestehende HR Praktiken vor unüberwindbare Herausforderungen stellen, Konflikte an den Schnittstellen zu anderen Bereichen erzeugen und an Effektivität verlieren. Hier können erfahrene Mitglieder des Digital Advisory Boards helfen, den Weg zu bereiten und eine kulturelle Transformation der Arbeitsumfelder mit anzuschieben. (bw)