Professor Dr. Eberhard Laux zur Organisationstheorie:

Erfolgreich organisieren aus einem naiven Zustand heraus

14.04.1978

MÜNCHEN (ee) - Organisieren ist elementarer Bestandteil menschlicher Tätigkeit und wird offensichtlich gekonnt, ohne daß es immer erlernt werden muß. Deswegen fühlen sich so viele berufen, aus einem naiven Zustand heraus organisatorisch tätig zu werden - oft sogar erfolgreich. So lästerte Professor Dr. Eberhard Laux vor der diesjährigen AWV-Mitgliederversammlung. Sein Vortrag "Zur gegenwärtigen Situation in der Organisationstheorie und -praxis" (AWV-Papier 21) spießte auch die bisher gepflogene Beraterpraxis auf. Hier Laux im Original:

Aus einer durchaus richtigen Erkenntnis heraus hat man vor zehn bis fünfzehn Jahren den Versuch unternommen, zunächst - gewissermaßen unter Beiseiteschieben der kleinen Organisation, also der Tagesarbeit der Rationalisierung - mit umfassenden Modellen der Unternehmensorganisation einen Schub zur leistungsfähigeren Gestaltung zu geben. Es war die Zeit des "grand design". Wie schnell hat sich doch diese Periode verbraucht und wie wenig ist letztlich aus vielen dieser großen Anläufe geworden! Von Theorie war hier ohnehin nur gelegentlich die Rede. Hochdifferenzierte moderne Organisationsgebilde und ihr Selbstverständnis sind schwer zu überwinden; die Organisationsänderungen haben häufig den Aufwand nicht gelohnt, zumal die formulierten Ziele oft recht hypothetischer Natur waren. Man mußte in der Organisationspraxis dann zu dem sehr viel mühseligeren und wenig glanzvollen Weg der Rationalisierung und Neuordnung einzelner Organisationsbereiche zurückkehren, wobei man dann feststellen mußte, wie außerordentlich komplex diese Teile sind. Zu nennen sind hier zum Beispiel das gesamte Rechnungswesen und die Personalorganisation. Der große Wurf ist bisher nicht gelungen; er ist auch nicht in Sicht. Die Praxis hat die mehr oder minder geplante Evolution fortgesetzt, sofern sie sich überhaupt einem Experiment aufgeschlossen gezeigt hat.

Die Organisation der Datenverarbeitung im administrativen Bereich bewegt sich immer noch, zu gering integriert und ökonomisch nicht immer ausreichend kontrolliert, fast eigengesetzlich weiter. Hieran sind Berater und Hersteller nicht ganz schuldlos.

Es war wohl etwas eilig zu meinen in Bereichen, in denen soviel von konkreten Konstellationen, von unterschiedlichen Zielen und Zwecken, vom Organisationsverständnis, technischen Gegebenheiten, von Umwelteinflüssen und landsmannschaftlichen Eigenarten und was da sonst noch eine Rolle spielt, abhängt, zu erwarten, mit den bisher angebotenen Mitteln könnte man mehr tun als entweder im Rahmen der Aufbauorganisation flexible Grundmuster bereitzustellen oder in der Ablauforganisation Teilbereiche mit ihren komplizierten Verflechtungen und Beziehungen bzw. einzelne Arbeitsabläufe auf Schwachstellen aller Art zu untersuchen und diese zu korrigieren. Dabei ist - und das stimmt mich ebenfalls optimistischer als vor einigen Jahren -, die Erkenntnis gewachsen, daß es mit dem Können eben nicht getan ist, ebensowenig mit dem Wollen. Die Klammer zwischen Können und Wollen muß das verbesserte Wissen sein. Auf der Basis solcher bescheidenen Erkenntnisse scheint allmählich auch ein Fundament für ein besseres Organisationsverständnis zu wachsen. Dies wird der Theorie und Praxis in gleicher Weise zugute kommen.