ENUM: Rufnummer wird zur IP-Adresse

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Mit dem neuen Telefonnummern-System könnten verschiedene Netze und Endgeräte einfacher konvergieren.

Viele kennen das Problem: Um die Visitenkarten kommunikativer Zeitgenossen zu lesen, wird mittlerweile häufig eine Lupe benötigt. Denn auf dem begrenzten Platz sind Office-, Fax-, Home-Office- sowie Mobilfunknummer kaum zu entziffern, vor allem, wenn dann noch Skype- und SIP-Rufnummern für die VoIP-Dienste aufgedruckt sind.

Hier lesen Sie …

  • wie ENUM die TK-Welt revolutionierne könnte;

  • welche Idee hinter ENUM steht;

  • wie die neue Technik funktioniert;

  • wer ENUM-Domains vergibt;

  • welche Fragen noch zu lösen sind;

  • was Sie in Sachen Sicherheit wissen sollten.

Im ENUM-System sucht ein Endgerät automatisch den erreichbaren Kommunikationspartner und prüft zugleich, ob es mit ihm kompatibel ist.
Im ENUM-System sucht ein Endgerät automatisch den erreichbaren Kommunikationspartner und prüft zugleich, ob es mit ihm kompatibel ist.

Anrufe werden zur Geduldsprobe, weil gemäß Murphy’s Law der Gesprächspartner garantiert erst unter der letzten Rufnummer erreicht wird. Besserung verspricht nun das neue ENUM-Verfahren, das derzeit beispielsweise in Deutschland, Österreich und Irland einge- führt wird. Über das Telephone Number Mapping sollen unterschiedliche Kommunikationsdienste wie Fax, Telefon oder Handy künftig über eine einzige Nummer weltweit erreichbar sein.

"Technisch halte ich das für eine hervorragende Sache", bekennt Paul Hoffmann, geschäftsführender Gesellschafter der auf Netz-Management und Protokollanalyse spezialisierten Datakom GmbH in Ismaning, "auch wenn dahinter von der Idee her nichts anderes als ein virtuelles Home Location Register steht." In der Tat ist die Technik hinter der ENUM-Idee, die mittlerweile fünf Jahre alt ist, aber erst jetzt in den "Wirkbetrieb" geht, eher trivial: Analog zur Umwandlung der Web-Adressen in IP-Adressen kommt hier das seit vielen Jahren etablierte Domain Name System (DNS) zum Einsatz, um klassische Telefonnummern in IP-Adressen umzuwandeln. "Damit schlägt ENUM die Brücke zwischen traditioneller Telefonie und dem Internet", so Sabine Dolderer, Vorstandsmitglied bei der Denic, der deutschen Registrierungsstelle für die Top Level Domain (TLD) .de. In Analogie zum DNS-Vorbild spricht man deshalb auch von ENUM-Domains.