Mozilla

Entwickler schicken Firefox auf die "Überholspur"

01.07.2009
Sie sehen sich auf der Überholspur: Der neue Firefox 3.5 ist der schnellste Browser, den sie jemals programmiert haben, sagen die Entwickler der Mozilla Foundation vollmundig zum Start der neuen Version.

Mehr als 5000 Neuerungen und zusätzliche Funktionen haben sie aufgenommen, Firefox 3.5 soll mehr als doppelt so schnell sein wie der Vorgänger. Doch nach mehr als einjähriger Entwicklerzeit muss sich Firefox in einem deutlich härteren Umfeld gegen wachsende Konkurrenz behaupten. Auch Microsoft war zum Start seines Internet Explorer 8 (IE8) im März mit einem deutlich beschleunigten Browser angetreten.

Im 'Privaten Modus' hinterlässt der Surfer mit Firefox 3.5 kaum Spuren im Netz.
Im 'Privaten Modus' hinterlässt der Surfer mit Firefox 3.5 kaum Spuren im Netz.

In der Branche ist die in der Nacht zu Mittwoch freigeschaltete Version Firefox 3.5 nach ersten Erfahrungen weitgehend wohlwollend aufgenommen worden - enthusiastische Reaktionen blieben allerdings aus. Die meisten der rund 5000 Neuerungen dürften die Nutzer auch erst mit dem zweiten Blick wahrnehmen. Man habe aber stets ein Ohr für die Anwender gehabt und Vorschläge und Wünsche bei der Programmierung berücksichtigt, hieß es seitens Mozilla. Mit dem neu integrierten "Privaten Modus", einer Funktion, mit der Nutzer zum Beispiel auf öffentlichen Rechnern surfen können, ohne Spuren zu hinterlassen, schließt Firefox in der neuen Version allerdings zu anderen Browsern wie Apples Safari, Googles Chrome oder Microsofts IE8 nur auf.

Viele kleine Funktionen dürften aber die Navigation durchs Netz erleichtern. Und das neue standortbezogene Surfen könnte die lokale Suche künftig erheblich vereinfachen. Auf Seiten, die die neue Funktion unterstützen, kann der Nutzer seine aktuelle Position übermitteln und erhält auf seine unmittelbare Umgebung zugeschnittene Suchergebnisse oder Services. Durch die Unterstützung des neuen, frei verfügbaren Video-Codecs Ogg Theora in Verbindung mit HTML-5-Media-Tags können künftig Videos anders als bei Flash oder Silverlight ohne Browser-Plug-in direkt von der Website abgespielt werden.

Vor rund fünf Jahren waren die Entwickler der Mozilla Foundation erstmals mit ihrem auf der Basis offener Software programmierten Firefox gegen den damals noch übermächtigen Marktführer Microsoft angetreten. Seither ringt Firefox dem Internet Explorer kontinuierlich Marktanteile ab. Doch auch der Markt hat sich inzwischen radikal verändert. Zuletzt sorgte auch der Suchmaschinenbetreiber Google mit dem eigenen Browser Chrome für verschärfte Konkurrenz. Der norwegische Browser-Hersteller Opera will mit seiner neuen Entwicklung "Unite" gar die Navigation im Netz komplett revolutionieren.

Nach wie vor allerdings führt Microsofts Internet Explorer den Markt mit weitem Abstand an. Von einst mehr als 90 Prozent sind dem Softwarekonzern aus Redmond jedoch zuletzt weltweit nur noch 66 Prozent geblieben. In Deutschland bietet Firefox am erfolgreichsten dem Marktführer Paroli. Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma Fittkau & Maaß könnte der Open-Source-Browser mit jetzt bereits 40 Prozent Marktanteil den IE8 schon bald komplett abhängen.

Gegenwind erhält Microsoft aber auch von den Wettbewerbshütern der EU-Kommission, die die Verknüpfung des Microsoft-Browsers mit dem Windows-Betriebssystem als wettbewerbswidriges Verhalten ansehen. In den 90er Jahren hatte Microsoft schon einmal sehr erfolgreich mit unlauteren Mitteln den sogenannten Browserkrieg für sich entschieden und den damaligen Marktführer Netscape (mit dessen freigegebenem "Navigator"-Quellcode Mozilla 1998 zu entwickeln begann) komplett aus dem Markt gedrängt.

Unter dem Druck der EU-Wettbewerbsbehörde hatte Microsoft für den zum Oktober geplanten Marktstart seines neuen Betriebssystems Windows 7 vor wenigen Wochen ein Einlenken signalisiert. Zumindest in Europa will Microsoft den Nachfolger von Windows Vista ohne den Internet Explorer anbieten. In einer Stellungnahme erklärte die Kommission daraufhin, dass eine solche Verkaufspolitik nicht gerade das Ziel gewesen sei. Den Wettbewerbshütern sei daran gelegen, dem Konsumenten mehr Auswahl zu liefern und nicht, dass Windows ganz ohne Browser ausgeliefert wird, hieß es.

Opera hatte vor rund einem halbem Jahr mit seiner Klage in Brüssel die Untersuchungen der EU-Wettbewerbshüter gegen Microsoft angeschoben, bei denen dem Redmonder Softwarekonzern erneut ein hohes Strafgeld droht. Opera kritisiert vor allem die Koppelung des IE mit den Windows-Betriebssystem und sieht darin eine eindeutige Behinderung für die Wettbewerber. Inzwischen haben sich auch Google und die Mozilla Foundation der Klage angeschlossen. (dpa/tc)