Britische Hersteller für Feedback mit politischen Institutionen:

Entwickler fordern Ada-Kontrollgremium

31.07.1987

LONDON (CW) - Eine Instanz auf höchster Ebene soll in Großbritannien die Kommunikation zwischen "Ada"-Entwicklern und Politikern verbessern. Das Verteidigungsministerium will eigenen Angaben zufolge einen entsprechenden Vorschlag der Software-Praktiker überdenken. Kritisch bleibt jedoch nach wie vor die Abstimmung mit den USA.

Als undurchsichtig bezeichnen die britischen Systementwickler die nationale Politik in bezug auf die vorwiegend für militärische Anwendungen eingesetzte Programmiersprache. "Wir benötigen eine gemeinsame Initiative von Verteidigungsministerium und Softwarehäusern, um ein Feedback und einen Problemlösungs-Mechanismus herzustellen", konstatiert Mel Selwood, Projektmanager des Joint Ada Programme beim englischen Elektronikhersteller Plessey Co. Plc.

Selwood fügt hinzu, dieses Gremium dürfe nicht etwa bloß eine nette Gesprächsrunde oder "eine User-Group mehr" sein; vielmehr brauche es gewisse Druckmittel, um seine Funktion wirklich zu erfüllen. "Es muß in der Lage sein, ordentliche Verhandlungen mit der NATO, dem US-Verteidigungsministerium und dem amerikanischen Ada Joint Program Office zu führen", fordert der Plessey-Manager.

In den USA existiert in Gestalt des "Ada-Board" bereits eine Einrichtung mit teilweise gleicher Zielsetzung. Ihre Aufgabe ist als Vermittlung zwischen interessierter Öffentlichkeit und politischen Entscheidungsträgern definiert.

Erst kürzlich hat das britische Ministry of Defence (MoD) Ada zur offiziellen Programmiersprache für Verteidigungsprojekte mit kritischem Auftrag erklärt. Das Bundesverteidigungsministerium hingegen spricht sich nach Auskunft eines deutschen Experten bislang noch nicht explizit für Ada aus; lediglich im Bundeswehr-Beschaffungsamt sei eine entsprechende Entscheidung gefallen.

Hugh Coriat, einer der führenden Ada-Politiker des MoD, äußerte sich positiv über die Bildung einer Gruppe, wie die Entwickler sie vorgeschlagen haben. Frank Cooper, Vorstandsvorsitzender beim Ada-Entwickler High Integrity Systems und früherer hoher MoD-Beamter, wandte jedoch ein. "Ich glaube kaum, daß eine Gruppe mit Biß ein richtiger Ansatz ist; besser wäre es, eine offenere Beziehung zum Verteidigungsministerium anzustreben."

Schwierig bleibt in jedem Fall die Koordination zwischen der europäischen und der US-Politik - beispielsweise bezüglich des Standard-Tool-Interface für eine Ada-Projektunterstützungsumgebung. Zur Zeit werden auf beiden Seiten des Atlantiks verschiedene Schnittstellen verwendet. Das amerikanische Department of Defense hat sich für "Cais" entschieden, das in Europa jedoch keine vergleichbare Bedeutung hat. Das von der Europäischen Kommission favorisierte "PCTE" wiederum findet in den USA wenig Anklang.