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Enronitis: Neuer Bilanzskandal bei Xerox

28.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Langsam entsteht der Eindruck, als jage ein US-Bilanzskandal den nächsten: Der Kopiererriese Xerox hat offenbar seit 1997 weit mehr Umsatz falsch verbucht als bislang von der US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) mit drei Milliarden Dollar vermutet. Im vergangenen April hatten sich SEC und Xerox verglichen, der Hersteller zahlte seinerzeit Millionen zehn Dollar Zivilstrafe (Computerwoche online berichtete).

Nun hat aber laut "Wall Street Journal" eine neuerliche Buchprüfung durch den neuen Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers, das im vergangenen Oktober KPMG abgelöst hatte, weitere Ungereimtheiten für die Jahre 1997 bis 2001 ergeben. Die falsch oder genauer verfrüht verbuchten Einnahmen könnten sich demnach auf bis zu sechs Milliarden Dollar belaufen. Es wird erwartet, dass Xerox noch heute oder spätestens am Montag revidierte Bilanzen für die vergangenen fünf Jahre vorlegt.

Die Summe von sechs Milliarden Dollar dürfte darin allerdings nicht direkt auftauchen, sondern es wird sich vornehmlich um zeitlich verschobene Verbuchungen handeln. Xerox-Sprecherin Christa Carone wollte die genannte Summe denn auch nicht kommentieren. Sie erklärte lediglich, der Umsatz für die Jahre 1997 bis 2001 werde um "weniger als zwei Milliarden Dollar" unter den bislang für diesen Zeitraum ausgewiesenen Einnahmen von 92,5 Milliarden Dollar liegen. Wie sich das auf den Gewinn niederschlägt, ist noch nicht abzusehen. (tc)