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EMC übernimmt Legato

08.07.2003
Für 1,3 Milliarden Dollar in Aktien will EMC Legato übernehmen und damit sein Software-Portfolio in den Bereichen Datensicherheit und -Management ausbauen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - EMC hat die Absicht angekündigt, Legato Systems für 1,3 Milliarden Dollar in Aktien zu übernehmen. Legato, Nummer drei im weltweiten Markt für Backup- und Recovery-Software, galt seit längerem als Übernahmekandidat für den Storage-Spezialisten aus Hopkinton, Massachusetts, der seit geraumer Zeit bemüht ist, sein Geschäft stärker in Richtung Software zu verlagern. Im ersten Quartal 2003 erlöste EMC sieben Prozent seiner Einnahmen mit herstellerunabhängiger "Open-System"-Software.

EMC bietet den Legato-Aktionären im Zuge des Deals für jede Legato-Aktie 0,9 eigene Anteilscheine an. Auf Basis des gestrigen EMC-Schlusskurses von 11,74 Dollar bewertet dies jedes Legato-Papier mit 10,57 Dollar, das entspricht einem Premium von 16 Prozent. EMC will dazu 105 Millionen neue Anteile ausgeben, was die Zahl seiner ausstehenden Aktien auf 2,292 Milliarden bringt. In dem Quartal, in dem die Übernahme abgeschlossen wird, will EMC Sonderaufwendungen für einige laufende Entwicklungen von Legato abschreiben; ab 2004 soll der Zukauf zum Gewinn beitragen.

Der Deal würde vermutlich in EMCs viertem Fiskalquartal abgeschlossen werden. Er bedarf noch der Zustimmung der Aufsichtsbehörden sowie der Legato-Aktionäre. Legato würde anschließend zu einem Bereich von EMC und behielte seinen Firmensitz in Kalifornien. CEO (Chief Executive Officer) David Wright soll die Sparte leiten und direkt and EMC-Chef Joseph Tucci berichten.

Legato verfügt über eine 500-köpfige Vertriebs- und Servicemannschaft und hat rund 31.000 Kunden. Neben Backup und Recovery bietet die Firma auch Produktlinie für die Archivierung von E-Mails und Datenbanken sowie für hierarchisches Storage-Management (HSM) beziehungsweise Information Lifecycle Management an. Die Firma hatte zuletzt eine recht bewegte Vergangenheit: Im Jahr 2000 musste sie ihre Bilanzen für 1999 revidieren, nachdem der Umsatz künstlich aufgebläht worden war. Im Oktober 2000 wurde daraufhin praktisch das gesamte Management ausgetauscht, im vergangenen Jahr zahlte Legato 67 Millionen Dollar an geschädigte Anleger. Für 2002 musste die Firma bei 262 Millionen Dollar Umsatz deswegen einen Nettoverlust von 229 Millionen Dollar ausweisen. Seither ging es wieder aufwärts - der Aktienkurs stieg von unter vier Dollar vor einem Jahr auf gestern 9,10 Dollar.

Unabhängig von der Übernahme teilte EMC mit, es liege bei der Gewinn- und Umsatzentwicklung des Ende Juni abgeschlossenen Quartals mindestens im Plan. Der Umsatz soll demnach zwischen 1,425 und 1,475 Milliarden Dollar liegen und der Gewinn pro Aktie drei oder möglicherweise sogar vier Cent betragen. (tc)