FAQ Elterngeld

Elterngeld berechnen, beantragen und versteuern

Susanne Köppler ist freie Autorin in München.
Unsere FAQ zeigen, wer Anspruch auf Elterngeld hat, wie sich dessen Höhe berechnet und wie man es beantragt und versteuert.

Das Elterngeld kann einen Teil des fehlenden Einkommens ausgleichen, wenn Eltern nach der Geburt ihres Kindes zu Hause bleiben. Dadurch erleichtert es Eltern, vorübergehend ganz oder teilweise auf eine Erwerbstätigkeit zu verzichten und so mehr Zeit für die Betreuung des Kindes zu haben. Eltern, deren Kinder ab dem 01.07.2015 geboren wurden, können zwischen dem Bezug des Basiselterngeldes und dem Bezug von ElterngeldPlus wählen oder beides kombinieren.

Das Elterngeld kann einen Teil des Einkommens ausgleichen, welches durch die Betreuung des Kindes wegfällt.
Das Elterngeld kann einen Teil des Einkommens ausgleichen, welches durch die Betreuung des Kindes wegfällt.
Foto: AnnaVel - shutterstock.com

Basiselterngeld

Das Basiselterngeld steht den Eltern gemeinsam für maximal 14 Monate zu. Diese 14 Monate können unter den Elternteilen frei aufgeteilt werden, wobei ein Elternteil mindestens zwei und höchstens zwölf Monate beanspruchen kann. Den 13. Und 14. Monat kann dann das andere Elternteil beantragen, wenn es sich an der Betreuung des Kindes beteiligt und den Eltern mindestens zwei Monate Erwerbseinkommen wegfallen. Alleinerziehende können aufgrund des fehlenden Partners die vollen 14 Monate Elterngeld in Anspruch nehmen.

ElterngeldPlus

Das ElterngeldPlus trägt der Tatsache Rechnung, dass viele Mütter und Väter bereits während des Elterngeldbezugs wieder in Teilzeit arbeiten wollen. Diese Eltern haben die Möglichkeit, das Elterngeld in maximal halber Höhe doppelt so lange zu bekommen. Ein Basiselterngeld-Monat ergibt dann zwei ElterngeldPlus-Monate. Sollten sich beide Elternteile dazu entschließen, gleichzeitig für vier Monate jeweils 25 bis 30 Stunden pro Woche zu arbeiten und sich dadurch die Zeit mit dem Nachwuchs teilen, ergibt sich daraus ein Anspruch auf den Partnerschaftsbonus in Form von vier zusätzlichen ElterngeldPlus-Monaten.

Elterngeld beantragen

Mit der Beantragung des Elterngeldes muss bis nach der Geburt des Kindes gewartet werden, da dem Antrag eine Geburtsbescheinigung beigelegt werden muss. Mehr als drei Monate sollten jedoch nicht zwischen der Geburt und dem Antrag liegen, da eine rückwirkende Zahlung des Elterngeldes höchstens drei Monate ab dem Zeitpunkt der Antragsstellung möglich ist.

Jedes Bundesland hat eigene Elterngeldstellen, bei denen der Antrag eingereicht werden muss. Diese lassen sich über die Postleitzahlsuche auf der Seite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) ausfindig machen. Zudem gibt es für jedes Bundesland ein eigenes Formular für die Beantragung des Elterngeldes.

Höhe des Elterngeldes

Das Elterngeld orientiert sich in der Höhe am laufenden durchschnittlichen monatlich verfügbaren Einkommen des betreuenden Elternteils im Jahr vor der Geburt und liegt zwischen 65 und 100 Prozent. Für das Basiselterngeld bedeutet dies einen Mindestbetrag von 300 Euro und einen Höchstbetrag von 1.800 Euro. Für das ElterngeldPlus besteht ein Anspruch von mindestens 150 Euro und höchstens 900 Euro monatlich. Keinen Elterngeldanspruch haben Eltern, die im Kalenderjahr vor der Geburt des Kindes gemeinsam ein zu versteuerndes Einkommen von mehr als 500.000 Euro hatten. Für Alleinerziehende liegt die Obergrenze bei 250.000 Euro.

Elterngeld berechnen

Lag das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen in den zwölf Monaten vor der Geburt zwischen 0 und 1.000 Euro, werden grundsätzlich 67 Prozent Elterngeld ausbezahlt. Dieser Anteil erhöht sich um 0,1 Prozentpunkte pro zwei Euro, um die das monatliche Nettoeinkommen 1.000 Euro unterschreitet, auf maximal 100 Prozent.

Lag das Nettoeinkommen zwischen 1.000 und 1.200 Euro, beträgt das Elterngeld 67 Prozent. Bei mehr als 1.200 Euro durchschnittlichem monatlichen Nettoeinkommen im Jahr vor der Geburt sinkt der Anteil um 0,1 Prozentpunkte pro zwei Euro, um die die 1.200 Euro überschritten werden, auf bis zu 65 Prozent ab einem Einkommen von 1.240 Euro. Lag das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen bei über 2.769, 23 Euro, beträgt das Elterngeld generell 1.800 Euro (65 Prozent). Einen Elterngeldrechner bietet das BMFSFJ unter https://www.familien-wegweiser.de/Elterngeldrechner.

Elterngeld und Steuererklärung

Das Elterngeld selbst ist steuerfrei. Allerdings kann es trotzdem zu höheren Steuerzahlungen kommen, da das Elterngeld zum steuerpflichtigen Einkommen hinzugerechnet wird, um den Steuersatz festzulegen. Der erwerbstätige Partner muss also nur sein Einkommen versteuern, jedoch mit dem Steuersatz, der für die Gesamtsumme inklusive Elterngeld gilt. Sozialversicherungsbeiträge fallen beim Elterngeld nicht an.

Was Selbständige in puncto Elterngeld beachten müssen

Auch für Selbständige gilt, dass sie Elterngeld bekommen können. Hierzu wird als Berechnungsgrundlage der Steuerbescheid des Jahres vor der Geburt des Kindes herangezogen. Die Berechnung ist dann die selbe, wie bei Angestellten. Allerdings kann insbesondere bei Selbständigen die Schwangerschaft erhebliche Auswirkungen auf die Einkünfte haben. Wurde beispielsweise im Jahr vor der Geburt Elternzeit für ein Geschwisterkind genommen oder war die Schwangerschaft mit gesundheitlichen Problemen verbunden, fällt das Vorjahreseinkommen - zumindest das der Mutter - schlechter aus als im Durchschnitt.

In diesem Fall kann es sich lohnen, mit der Elterngeldstelle die Fakten zu besprechen und die Unregelmäßigkeiten beispielsweise durch ärztliche Atteste zu belegen, um in der Konsequenz das vorvorherige Jahr als Bemessungsgrundlage anzunehmen.

Weiterhin ist für Selbständige zu beachten, dass offene Rechnungen, die während des Bezugs des Elterngeldes bezahlt werden - auch solche, die vor der Geburt des Kindes zustande kamen - auf das Elterngeld angerechnet werden und so zu Abzügen führen können. Rechnungen, die vor der Geburt fällig sein sollen, müssen also rechtzeitig gestellt werden und die Kunden dazu angehalten werden, diese auch zeitnah zu bezahlen.