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Ellison: Wir sind gut, der Rest ist schlecht

05.12.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Auf der Oracle-Hausmesse Openworld in San Francisco zog Konzernchef Lawrence "Larry" Ellison mal wieder so richtig gegen Microsoft und IBM vom Leder - wenn ihn die Wettbewerber bis dato noch nicht hassten, dann tun sie es vermutlich jetzt. Neben den bereits bekannten "Argumenten", die Produkte der Wettbewerber seien langsamer und weniger sicher als die von Oracle, rückte Ellison einen neuen Aspekt ins Scheinwerferlicht: "Obwohl alle das Gegenteil behaupten ist unsere Software in Wahrheit billiger", erklärte der Oracle-Boss.

Dies versuchte er anschließend anhand von Rechenexempeln zu beweisen. Eine 500-er Lizenz von Microsoft Exchange auf einem Vier-Wege-Server koste den Anwender 140.000 Dollar. Sein Unternehmen bediene die gleiche Zahl Messaging-Nutzer auf der gleichen Hardware bereits für 80.000 Dollar, so Ellison - die Datenbank 9i beinhalte nämlich bereits einen Mail-Server. Bei IBM zahle der Kunde für die zu einem Portal für 25 Nutzer nötige Software 272.000 Dollar, rechnete der CEO weiter. Bei Oracle gebe es das Ganze schon für 40.000 Dollar - im Paket mit dem Application Server 9iAS nämlich.

IBM stand anschließend nicht sofort für eine Stellungnahme zur Verfügung, aber zumindest Microsoft gab gleich ordentlich kontra. "Es ist schon eine Ironie, Larry mit der These zu hören, sie seien bei irgendetwas Preisführer", wunderte sich Stan Sorensen, Director Enterprise Server Marketing. Die Enterprise-Ausführung des Exchange Server koste unabhängig von der CPU-Anzahl 4000 Dollar und dazu rund 60 Dollar pro Arbeitsplatz. Das von Ellison beschriebene System sei also auch bei Microsoft locker für unter 40.000 Dollar erhältlich. "Wenn Sie dafür 140.000 Dollar zahlen, dann hat Ihnen jemand etwas angedreht, das sie gar nicht brauchen", meint Sorensen.

Auch im Publikum stießen Ellisons Ausführungen nur bedingt auf Zustimmung. "Zu schön um wahr zu sein", erklärte beispielsweise Boon Lim, Oracle-Administrator beim Online-Versicherer ePolicy aus Los Angeles. Exchange biete zudem allerlei Backend-Verwaltungswerkzeuge, die in Oracles Mail-Server nicht zu haben seien. "Interessant ist auch, dass Ellison nichts zum Preis von SQL Server gesagt hat", so Lim in Bezug auf Microsofts - zumindest in manchen Bereichen - konkurrierende Datenbank. Zudem, so Lim (der zurzeit noch 8i einsetzt), seien die von Ellison genannten Features wohl erst in kommenden Releases ein Grund zum Umstieg: "Wer jetzt upgradet, spielt den Betatester und hilft Oracle dabei, die Bugs zu beseitigen."

Donald Smith aus der IT-Abteilung des National Eye Institute in Bethesda, Maryland, stellt sich eher die Frage nach den tatsächlichen Kosten der Oracle-Software. Die Datenbank 9i und den Application Server bezeichnet er zwar als "umfassend und komplett", jedoch sei es unter Umständen eine kostspielige Angelegenheit, Mitarbeiter anzuheuern, die die vielen schönen Features auch nutzen könnten.

Neben den oben bereits angeführten Preisvergleichen pochte Larry Ellison in seiner Ansprache erneut darauf, Oracles Software habe sich in Benchmark-Tests als deutlich schneller erwiesen als die der Konkurrenz und sei zudem noch "unbreakable", also uneinnehmbar sicher. Andrew Brousseau von SG Cowen findet die auch im Netz veröffentlichten Testresultate eher weltfremd: "Die Zahlen sehen zwar toll aus, aber auf wie viele Anwender treffen sie überhaupt zu? Wie viele Leute brauchen denn 4000 Transaktionen pro Sekunde?"

Optimistisch äußerte sich der Oracle-Chef angesichts der wirtschaftlichen Situation seines Unternehmens. "Unser Geschäft hat sich zumindest stabilisiert und verschlimmert sich nicht mehr. Es wird langsam besser", erklärte Ellison auf einer Pressekonferenz. Das Business laufe nicht spektakulär, aber stabil. Im kommenden Jahr werde es wieder aufwärts gehen, glaubt Ellison: "Das könnte schon bald passieren - vielleicht schon in sechs Monaten."

In einer Pressekonferenz am Rande seiner Keynote erklärte Ellison übrigens auch noch, Oracle habe einer (nicht näher spezifizierten) US-Sicherheitsbehörde die hauseigene Datenbank 9i kostenlos zur Verfügung gestellt, damit diese damit ein zentrales Sicherheitsregister etablieren könne. Ein solches hatte der Oracle-Chef nach den Attentaten vom 11. September wiederholt eingefordert. (tc)