Clone-Hersteller sollen im Kielwasser bleiben

Ellison und Jobs wollen Apple in tieferes Fahrwasser lotsen

08.08.1997

Rätselraten herrscht zur Zeit darüber, welche Position Steve Jobs künftig im Konzern einnehmen wird. Der "San Francisco Chronicle" hatte geschrieben, dem Mitbegründer des Unternehmens - derzeit als Topberater wieder entscheidend für die Apple-Strategie verantwortlich - solle nach Beschluß des Verwaltungsrates die Rolle des Chairman und Chief Executive Officer (CEO) zufallen. Wenig später hieß es in anderen Gazetten, Jobs habe die Einladung dankend abgelehnt.

Den Mitarbeitern seines Animationsfilm-Studios Pixar Inc. soll er per E-Mail mitgeteilt haben, er werde sich auf die Führungsposition bei Apple nicht einlassen, dem Unternehmen aber weitere 90 Tage beratend zur Seite stehen. Wie die "Financial Times" berichtet, bemüht sich Jobs, den CEO von Eastman Kodak, George Fisher, für das Amt zu interessieren. Aus anderen Quellen verlautet, auch Borland-Chef Delbert Yocam, Autodesks Chairman Carol Bartz sowie Ex-IBMer James Cannavino, zuletzt CEO und President von Perot Systems, seien im Gespräch.

Wenn man jedoch den Ausführungen von Larry Ellison, milliardenschwerer Chef der Softwareschmiede Oracle, Glauben schenkt, kommt für den Posten nur ein Mann in Frage: Steve Jobs. Der französischen Wirtschaftszeitung "La Tribune" teilte Ellison mit, Jobs werde Chairman und CEO, er selbst trete dem Verwaltungsrat bei. Als Mitglied des Board of Directors werde er eine größere Summe aus seinem Privatvermögen in den angeschlagenen Mac-Hersteller stecken. Erneut gibt es Spekulationen darüber, ob Oracle sich den angeschlagenen Mac-Hersteller mehrheitlich einverleiben wird. Auch Adobe-Chairman John Warnock soll im Apple-Board einen Platz bekommen.

Auf der Macworld Expo, die in dieser Woche in Boston stattfindet, könnte sich nicht nur die Frage nach der Nachfolge des entlassenen Geschäftsführers Gilbert Amelio klären. Ebenfalls wird damit gerechnet, daß Keynote-Sprecher Steve Jobs über die Lizenzpolitik gegenüber Clone-Anbietern sprechen wird.

Ein Bericht der "New York Times", dem zufolge Apple die neueste Mac-OS-Version 8 nicht an Hersteller von Mac-Clones lizenzieren will, trifft offenkundig nicht zu. Die Umax Computer Corp. hat jüngsten Berichten des "Wall Street Journal" zufolge bereits das Recht erstanden, das Mac-OS 8 zu vermarkten. Alle anderen Cloner sollen folgen. Nicht bekannt ist bisher, zu welchen Gebühren die Cloner Mac-Systemsoftware vermarkten können, doch Apple dürfte den Wettbewerbern, wie bei den vorhergehenden Mac-OS-Versionen auch, tief in die Taschen greifen.

Die Lizenzverhandlungen verliefen zäh und zogen sich über Monate hin. Apple erklärte bisher nicht, daß auch die nächste Generation "Rhapsody" an die Cloner lizenziert werde. Ferner bemühen sich diese Hersteller bisher vergeblich um bestimmte Softwarebausteine von Apple, die wichtig für die Herstellung und Vermarktung von Hardware ist, die gemäß der Common Hardware Reference Platform (CHRP) erstellt werden soll. Steve Jobs gilt als Gegner der Lizenzierung von Apple-Technologie, so daß die Cloner um ihre Zukunft bangen müssen.

Marktbeobachter halten Apples Strategie, die Partner hinzuhalten, für gefährlich. Dem Hersteller gehe es offenbar darum, die Hardwarekonkurrenz an der Auslieferung neuer leistungsstarker Rechner zu hindern, weil man selbst nicht in der Lage sei, konkurrenzfähige Systeme rechtzeitig auf den Markt zu bringen. Derzeit hocken Power Computing, Motorola und Tatung RISC Systems mit leistungsfähigen Clones in den Startlöchern. Apple gefährde mit der Blockadepolitik die Entstehung eines weltweiten Softwaremarktes für den Macintosh, der jedoch notwendig sei, wenn die Plattform von Kunden als dauerhaft überlebensfähig beurteilt werden solle.

Doch möglicherweise hat Apple dieses Ziel bereits abgehakt. Oracle-Chef Ellison kann sich das Unternehmen laut "Financial Times" durchaus als Hersteller preiswerter Netzcomputer (NCs) vorstellen. Auch Ellison-Freund Jobs gilt als Verfechter der NC-Idee, wenngleich er gegenwärtig noch betont, das PC-Geschäft insbesondere in den Segmenten Publishing und Erziehung forcieren zu wollen.