Oracle OpenWorld

Ellison schmeißt Salesforce-Chef Benioff raus

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Für einen Oracle-Konkurrenten wie Salesforce.com kann man sich kaum eine bessere Werbung vorstellen, als einen Rausschmiss aus dem offiziellen Vortragsprogramm der OpenWorld.

Genau der passierte dem einstigen Meisterschüler von Larry Ellison und heutigen Chef von Salesforce.com, Marc Benioff - und er nutzte ihn weidlich zu seinen Gunsten. Am Dienstagnachmittag gegen 15:30 Ortszeit in San Francisco wurde Benioff informiert, dass Oracle beziehungsweise Larry Ellison den Keynote-Vortrag Benioffs am Mittwochvormittag gestrichen hatte. Offiziell wurde ein Ausweichtermin für Donnerstag angeboten, aber zu dem wäre wohl kaum noch jemand erschienen.

Der Salesforce-Chef mobilisierte daraufhin via "Charter" seine Truppen und ließ in Windeseile eine Gegenveranstaltung im Restaurant eines Hotels um die Ecke vom Moscone Center organisieren und über Twitter und andere Kanäle publik machen. Die Folge: Am Mittwoch bildete sich vor dem Eingang des kurzfristig verlegten Benioff-Auftritts - wo Saleforce-Mitarbeiter eine Demonstration imitierten und Transparente wie "@Benioff: Too cool for #OOW11" schwenkten - eine lange Schlange. Das mediale Interesse war vermutlich deutlich größer, als es sonst ausgefallen wäre.

Warum genau Marc Benioff in diesem Jahr keinen Vortrag im offiziellen OpenWorld-Programm halten durfte (2009 und 2010 war das noch kein Problem), ist nicht bekannt. Die Botschaft des Salesforce-Chefs jedenfalls war klar und dürfte Ellison auch überhaupt nicht gefallen. "Auf der diesjährigen OpenWorld ging es vor allem um einen Mainframe der nächsten Generation", lästerte Benioff mit Blick auf Oracles neuen Sparc Supercluster.

Und das, wo doch die Zukunft der IT und der Unternehmen mobil, sozial und Cloud-bezogen sei. Von Oracles proprietärer Hard- und Software sollten Kunden besser die Finger lassen, warnte der Salesforce-CEO: "Beware of this false Cloud!" Exakt die gleiche Botschaft gab es schon im letzten Jahr. Unterstützung holte sich Benioff unter anderem von Facebook-CIO Tim Campos, der bei seinem Gastauftritt unter anderem verkündete: "[Soziale] Verbindungen sind die neue Leitwährung."

Benioff verwies anschließend darauf, dass Unternehmen wie Facebook nur auf Basis offener Techniken und Standards entstanden und gewachsen seien. "Solches Wachstum ist nur möglich durch Demokratie und Technologie, zu die jeder Zugang hat und die sich jeder leisten kann. Und genau deswegen hat Oracle bisher nur 1000 [Exa-]Computer verkauft."

Genau genommen stimmt das nicht so ganz mit den 1000 Exa-Systemen: 1000 Kunden setzen Exadata und Exalogic bis dato produktiv ein - aber das können natürlich durchaus mehrere Systeme bei einem Kunden sein. Auf der anderen Seite räumte Oracle-Deutschlandchef Jürgen Kunz in einer Q&A-Runde mit Medienvertretern ein, dass die meisten Kunden bislang vor allem die kleinsten Viertel-Rack-Konfigurationen gekauft hätten.