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Elektronische Ausschreibung bei öffentlichen Aufträgen bald Pflicht

14.08.2007
Von pte pte
Ausschreibungen öffentlicher Aufträge werden in Deutschland in absehbarer Zeit nur noch elektronisch durchgeführt. Schon ab 2010 sollen die Ausschreibungen des Bundes nicht mehr in Druckversion erscheinen.

Einen entsprechenden Stufenplan hat das Bundeswirtschaftsministerium gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie, dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag sowie dem Zentralverband des Deutschen Handwerks veröffentlicht. Die IT- und die KFZ-Branche werden demnach schon ab diesem Herbst nur noch elektronische Angebote abgeben. Vergabestellen und Wirtschaft sollen hierzu über die Vergabeplattform des Bundes kommunizieren. "Die vollständige Digitalisierung des Vergabeprozesses in Deutschland verstehen wir als gemeinsame Aufgabe der Bundesregierung und der Wirtschaft mit Signalwirkung in die Länder", sagte Staatssekretär Walther Otremba zur gemeinsamen Entscheidung. Für Otmar Schreyegg von der Stuttgarter Canis GmbH stellt sich die Frage des "Ob" schon lange nicht mehr. Es sei lediglich eine Frage, wann die elektronische Vergabeverfahren Einzug in Deutschlands Behörden halten: "Die besten Erfolge werden erzielt, wenn der Auftraggeber konsequent auf elektronische Ausschreibung und Vergabe umstellt und seine bestehenden Auftragnehmer und Handwerker in vernünftiger Weise informiert und mit einbezieht", sagte Schreyegg beim Bau- und Vergabeforum der Kreishandwerkerschaft Rhein-Westerwald.

Im Vordergrund der elektronischen Ausschreibung und Vergabe stehen die Beschleunigung und Vereinfachung des Vergabeprozesses und damit verbunden auch Kostensenkungen für alle Beteiligten. Außerdem ermögliche die papierlose Ausschreibung und Vergabe in der Regel besser zu vergleichende Angebote und mithin günstigere Preise.Die Bemühungen, die öffentlichen Verwaltungen mittels Digitalisierung von Arbeitsprozessen zu verschlanken, nimmt langsam Formen an, auch wenn der Erfolg von eGovernment aufgrund schlechter Kommunikation und mangelhafter Vernetzung deutscher Behörden untereinander laut einer aktuellen Accenture-Studie von vielen Deutschen noch kritisch gesehen wird. Rund ein Drittel der Bundesbürger nutzt allerdings laut Angaben des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) die Online-Angebote von Behörden. Vor allem würden Dokumente heruntergeladen und Formulare auf einer Webseite ausgefüllt. Im vergangenen Jahr erledigten den Angaben zufolge 32 Prozent der 16- bis 74-Jährigen einen Teil ihrer Behördengänge im Internet. Damit verdoppelte sich im Vergleich zu 2002 die Quote.

"Immer noch wird eGovernment überwiegend als Elektronifizierung und Digitalisierung der Verwaltung betrachtet, leider zu selten als Wachstumstreiber und Instrument zur Modernisierung des Staates", sagt Axel Schnell, Chief Operating Officer des auf Konvergenzlösungen spezialisierten ITK-Systemintegrators NextiraOne. Auch er sieht enormes Einsparpotenzial. "Durch die elektronische Vergabe öffentlicher Aufträge konnten beispielsweise in Italien im Jahr 2003 etwa 3,2 Milliarden Euro eingespart werden", so Schnell. Bei uneingeschränkter EU-weiter Einführung der elektronischen Vergabe öffentlicher Aufträge rechnen Experten mit Einsparungen von bis zu 80 Milliarden Euro. Im EU-Vergleich liegt Deutschland laut Bitkom-Angaben im Mittelfeld. Vorreiter seien die Benelux-Staaten und Skandinavien. Schweden und die Niederlande kamen 2006 auf eine Nutzungsquote der eGovernment-Angebote von 52 Prozent; Finnland erreichte 47 Prozent. Alle drei Länder hätten in den vergangenen Jahren ihre elektronischen Bürgerdienste erheblich ausgebaut. Deutschland habe noch Nachholbedarf. Der Verband bemängelte, dass zu viele Ämter sich auf ihren Homepages auf das Herunterladen von Dokumenten beschränkten. Diese müssten dann ausgefüllt und per Post zurückgesandt werden. (pte)