Preisverfall und Internet

Elektronikhändler unter Spannung

29.06.2013
Smartphones stellen mit ihren hohen Zuwachsraten fast alles in den Schatten.
Internet-Riesen wie Amazon sind schon viel länger aktiv als viele deutsche Online-Händler.
Internet-Riesen wie Amazon sind schon viel länger aktiv als viele deutsche Online-Händler.

Die Käufer in Deutschland gaben 2012 in der Summe erstmals mehr Geld für diese vielseitigen Mobiltelefone aus als für die umsatzstarken Fernseher. Auch mit Tablet-PCs verbinden die Elektronikhändler in diesem Jahr große Hoffnungen. Denn es fehlen sportliche Großereignisse, die die Nachfrage nach TV-Geräten treiben könnten. Unter diesen Vorzeichen läuft im deutschen Einzelhandel eine neue Konsolidierungsrunde. Selbst Mittelständler gehen reihenweise online, um am Puls der Zeit zu bleiben. Außerdem sind Ideen gefragt, wie die allseits umworbenen Kunden im Laden begeistert werden können.

"Da kommt noch so vieles, die Branche lebt", sagt Expert-Chef Volker Müller. Die endlose Kette neuer Modelle sorge dafür, dass die Nachfrage der Kunden hoch bleibe. So würden schon Flach-Fernseher in den Haushalten zum Zweitgerät degradiert, weil ein internetfähiges Großbildgerät das Wohnzimmer erobere. Der Preisverfall sei nicht nur im mehrjährigen Vergleich zu beobachten. Unter Umständen werde ein Produkt nach wenigen Monaten billiger, weil ein Nachfolger auf den Markt dränge. Das neue Produkt bringe mehr Leistung mit sich, dafür seien begeisterte Kunden auch bereit, einen entsprechenden Preis zu zahlen. Damit bleibe letztlich auch der Branchenumsatz stabil.

Mit aggressiven Preisen machen vor allem Online-Händler dem traditionellen Fachhandel Konkurrenz. "Die Geschwindigkeit, mit der der Online-Handel aufholt, wird vielfach sogar unterschätzt", stellte die Unternehmensberatung Roland Berger in einer Studie fest, die mit dem Center-Betreiber ECE erstellt wurde. Händler dürften nicht wie Kaninchen gebannt vor der Online-Schlange sitzen, sondern müssten handeln. "Es ist fünf vor zwölf für viele konventionelle Einzelhandelskonzepte", mahnen die Berater. Ziel sollte sein, Online- und Offline-Shopping zu verknüpfen. Bereits jeder dritte Kunde nutze intensiv solche Multichannel-Möglichkeiten.

Die Expert-Führung sieht die Verbundgruppe auf dem richtigen Weg. Bereits mehr als 80 Prozent der angeschlossenen Fachhändler betrieben einen Online-Shop. Dort würden die Angebote der Woche präsentiert, deren Zahl in Kürze auf 60 Produkte steige. Die Konkurrenz schläft ebenfalls nicht: Die Verbundgruppe ElectronicPartner (EP) will den angeschlossenen 700 selbstständigen EP-Händlern in Deutschland bald die Infrastruktur für virtuelle Ladenlokale bereitstellen. EP geht davon aus, dass die Mehrheit der Händler das nutzen wird. Euronics will mit dem Ausbau seiner Internet-Präsenz auch den "digitalen Flaneur" ansprechen, der sich fast ausschließlich im Internet bewegt.

Metro legt bei Media-Saturn hinter den Kulissen die Landeszentralen zusammen.
Metro legt bei Media-Saturn hinter den Kulissen die Landeszentralen zusammen.
Foto: MSH

Media Markt und Saturn wollen das Sortiment ihrer gleichnamigen deutschen Online-Shops auf jeweils mindestens 20.000 Artikel in diesem Jahr ausbauen. "Wir sind noch ein 'Junior Player'", räumte vor kurzem der Chef des Mutterkonzerns Metro, Olaf Koch, ein. Europas größter Elektronikhändler verknüpfe seine Online-Angebote mit den Läden und erziele auch Kundenzulauf in der Fläche. Hinter den Kulissen werden wegen der gestiegenen Anforderungen die Landesgesellschaften von Media Markt und Saturn derzeit zusammengelegt. Für die Kunden in Deutschland ändert sich nichts, beide Marken bleiben erhalten. Die Internetshops von Saturn und Media Markt sind noch keine zwei Jahre am Netz. Internet-Riesen wie Amazon sind schon viel länger aktiv.

Im hartumkämpften Wettbewerb bei Unterhaltungselektronik steigen verschiedene Anbieter aus. Der Handelsriese Rewe prüft eine Trennung von seiner verlustreichen Tochter ProMarkt und lässt sowohl einen Komplettverkauf als auch den Verkauf von Filialen ausloten. Expert- Chef Müller signalisierte Interesse an passenden Filialen. Er verwies bei der Bilanzvorlage darauf, dass die Warenhausunternehmen Karstadt und Kaufhof Elektronikabteilungen geschlossen hätten und vor Jahren beispielsweise der Versandhändler Quelle ausgeschieden sei. In dem schnelllebigen Geschäft gehe es nicht nur um eine große Einkaufsmacht und damit sehr günstige Konditionen: "Die Kraft liegt nicht nur im Einkauf, sondern auch im Verkauf." Dazu zählten Service und Beratung. (dpa/tc)