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Elektronik hilft beim Einkaufen

22.02.2008
Von Handelsblatt 
Supermärkte sind Umräumkünstler. Nie findet man die Dinge, die man einkaufen möchte, an der selben Stelle. Anstatt die Marmelade immer im gleichen Gang unterzubringen, setzen Metro und Co auf Navigationshilfen am Einkaufswagen.

DÜSSELDORF. Man kennt das: Nach langem Warten an der Kasse, weist die Kassiererin darauf hin, dass die Zucchini hätte gewogen werden müssen. Auch das ist Alltag beim Einkaufen: Die Karte wird nicht akzeptiert oder der Lieblings-Wein ist gerade wieder ausverkauft. Dies soll dem Kunden künftig in Supermärkten erspart bleiben. Handelskonzerne wie Edeka oder Metro testen seit geraumer Zeit in ihren sogenannten "Future Stores" wie es besser laufen könnte. Wer in den nächsten Tagen über die Messe Euroshop (23. bis 27. Februar) in Düsseldorf schlendert, wird merken, dass die Zukunft mehr und mehr Realität wird. Dazu wird der Laden künftig nicht unbedingt bis unter die Decke mit RFID-Funkchips ausgestattet sein - selbst einfache Waagen machen das Einkaufen einfacher und auch sogar unterhaltsamer.

Bizerba zeigt, dass Wiegen nicht nur eine lästige Pflicht ist: Die Geräte versorgen Kunden mit Informationen zur Lagerung, Nährwerten, Alter und Herkunft der Ware. Wer noch nicht weiß, was er kochen soll, der kann sich sogar noch Rezeptideen samt Zutatenlisten anzeigen lassen. "Die Waage wird zur Infotafel und die Software zerbricht sich den Kopf für den Kunden", schwärmt Matthias Harsch, Sprecher der Bizerba-Geschäftsführung.

Doch die Touchscreens am Obststand oder an der Fleischtheke können noch mehr: Sie haben zwei Seiten - für den Bediener und den Kunden. Auf dem 12,1 Zoll großen Farbdisplay können kurze Videos und Informationen abgespielt werden. Die Verkäuferin kann die Zusatzinformationen auch ausdrucken.

Das ist durchaus sinnvoll: "Jedes Jahr kommen 30 000 neue Artikel in den Lebensmittelhandel, da kann kein Verkäufer alle Informationen parat haben. Daher werden Kundeninformationstechniken mehr und mehr kommen", sagt Michael Gerling, Geschäftsführer des EHI Retail Institute, des Forschungsinstituts des Handels in Köln. Die Digitalisierung vor allem in den Bereichen automatisiertes Kassieren, der Verkaufsförderung und Information sei ein massiver Trend, sagt Gerling. Technisch seien die Systeme startklar, allein die Frage der Inhalte und wer die Kosten für die neue Technik übernehmen werde, sei noch unklar.

Echten Zusatznutzen bringt die Digitalisierung im Verkauf, wenn beispielsweise Weinempfehlungen passend zum gekauften Käse auf der Kasse erscheinen oder Details zu Herkunfts- und Inhaltsstoffen von Fleisch, Wurst, Obst und Käse sowie Hinweise zu Allergenen oder Tipps zur gesunden Ernährung. Natürlich werden auch aktuelle Sonderangebote offeriert. "Eine spezielle Software sorgt für die automatische Artikelempfehlung auf dem Kundendisplay", erklärt Martin Arndt, Geschäftsführer Technik bei Bizerba.

Auch im Futurestore der Metro spielen Waagen eine große Rolle. Intelligente Erfassungsgeräte mit Bildsensoren erleichtern den Vorgang: Sie erkennen, ob es sich um rote Äpfel oder Tomaten handelt, woraufhin Gewicht und Preis dem so genannten "Personal Shop Assistant" gemeldet werden. Jeder Einkaufswagen ist mit einem solchen Assistenten ausgestattet. Der Wagen navigiert über ein Display sogar zum richtigen Regal, womit sich "Wo steht denn das?"-Fragen ans Verkaufspersonal erübrigen. Dass dabei umfangreiche Kundenprofile entstehen, scheint diese nicht zu stören: Der Test-Markt im niederrheinischen Rheinberg wird seit fast fünf Jahren betrieben und erfreut sich großer Beliebtheit. Laut einer Studie der Boston Consulting Group konnte der Markt fast 30 Prozent Neukunden gewinnen.

Auch die Handelskette Globus ist sehr an einer Navigation per Einkaufswagen interessiert. "Weil oft umgeräumt werden muss und ständig neue Produkte in die Supermärkte kommen, möchte man das lästige Suchen dem Kunden abnehmen", sagt Gerhard Kahl, Entwickler am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das zusammen mit Globus den Supermarkt der Zukunft erforscht. Auch eine Überwachung des Wageninhalts nach Diät- oder Diabetiker-Anforderungen sowie gewissermaßen die Live-Übertragung des Einkaufszettels der daheim gebliebenen Frau an den Einkaufsassistenten ihres Mannes im Supermarkt sei künftig möglich.

Die DFKI-Forscher haben zudem einen digitalen Mundschenk entwickelt, der beim Griff ins Weinregal per Sprachausgabe alles rund um Rebsorte, Lage, Temperament und Temperatur erklärt. Noch trickreicher wird es am Champagnerregal: Ein Sensor verrät, wenn der Kunde die Flasche dreht, um mehr über den Tropfen zu erfahren, woraufhin automatisch über ein Display am Regal das Webangebot des Herstellers erscheint. Jedes Produkt soll künftig ein digitales Gedächtnis besitzen. Das der Tomate zeigt beispielsweise an, wann und wo sie geerntet sowie wie lange sie wie gekühlt wurde. "Durch RFID-Technik gelingt es gewissermaßen, die die Fragen des Käufers im Sprachdialog beantworten", sagt der DFKI-Entwickler.