Der Führungstipp

Einmal Junior, immer Junior?

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Der Übergang vom Vater auf den Sohn bei einer Firmenübergabe kann manchmal zu Problemen führen, die aus einer nicht erwarteten Ecke kommen, wie das Beispiel eines Ratsuchenden zeigt: "Kürzlich übernahm ich die IT-Firma meines Vaters. In ihm arbeitet auch ein älterer Mitarbeiter, der seit 15 Jahren in unserem Betrieb beschäftigt ist und mich seit meiner Kindheit kennt. Wenn ich zu ihm etwas sage, erwidert er oft "Bei Ihrem Vater....". Wie erreiche ich, dass er mich als neuer "Chef" akzeptiert?"
Kurt-Georg Scheible, Coach: "Im Notfall ist ein harter Schnitt notwenig, sonst bleiben Sie immer der Juniorchef."
Kurt-Georg Scheible, Coach: "Im Notfall ist ein harter Schnitt notwenig, sonst bleiben Sie immer der Juniorchef."
Foto: Kurt-Georg Scheible, Coach

Kurt-Georg Scheible, Unternehmercoach in Stuttgart und Frankfurt am Main empfiehlt folgende Vorgehensweise: "Der Mitarbeiter kennt Sie noch `in kurzen Hosen`, nun soll er Sie als Chef akzeptieren. Früher spielte er mit Ihnen, heute soll er Ihre Anweisungen befolgen. Eine schwierige Situation - für beide Seiten. Vereinbaren Sie deshalb mit dem älteren Mitarbeiter ein Gespräch. Bereiten Sie sich gut darauf vor und nehmen Sie sich hierfür viel Zeit. Würdigen Sie in dem Gespräch zunächst die Verdienste des Mitarbeiters. Lassen Sie in dieses Gespräch auch gezielt Anekdoten aus der Vergangenheit einfließen.

Vermitteln Sie dem Mitarbeiter dann, dass Sie froh sind, dass er in Ihrem Geschäft arbeitet und so eine gewisse Tradition gewahrt bleibt. Erläutern Sie ihm aber auch, dass Sie gewisse Dinge verändern müssen, damit Ihr Geschäft auch künftig erfolgreich ist. Kurz: Verdeutlichen Sie dem Mitarbeiter, dass Sie eigene Perspektiven haben und nicht nur ein Ableger Ihres Vaters sind. Und versuchen Sie den Mitarbeiter als Mitstreiter für Ihre Pläne zu gewinnen. Versuchen Sie eine Konfrontation mit ihm zu vermeiden, da er aufgrund seiner Dienstjahre gewiss ein großes Ansehen bei den anderen Mitarbeitern genießt. Sollte eine Konfrontation unumgänglich sein, bleibt Ihnen vermutlich keine andere Möglichkeit, als ein harter Schnitt. Das heißt, die Trennung. Sonst verfolgt Sie noch in Jahren der Schatten Ihres Vaters und Sie bleiben stets der "Juniorchef".

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